Sonntag, 29. Mai 2016
beruf: heiratsschwindler
vor kurzem sprachen ein lieber bekannter, der auch schon was erlebt hat im leben, und frau kelef über die aussichtslosigkeit vieler menschen, nach einer haftstrafe wieder in ein normales, bürgerliches leben zurückzufinden. und da fiel frau kelef die geschichte ein von dem mann der, als sie noch kunscht und künschtler vermittelte, eines tages ins büro kam.

so um die fünfzig, in massanzug und -hemd, goldene uhr, hornbrille, goldener ring, goldenes armband, elegante lederschuhe, manikürte pfoten. grüsst ordentlich, und möchte gerne wissen ob die geschätzte agentur denn auch leseabende und solche dinge veranstalten und organisieren tät, weil, er hätt ein buch geschrieben, hier bittesehr, fertig gedruckt und so, müsste man nur noch bewerben damit es gekauft wird.

es sei die geschichte seines lebens, denn er sei, bitteschön, von beruf sozusagen heiratsschwindler, sozusagen nicht nur sozusagen, sondern so richtig und in echt. dafür hätte er auch schon eine erkleckerliche anzahl von jahren im häfn verbracht, aber es sei ihm nicht wirklich was anderes übriggeblieben, sozusagen.

damals hatte gerade der heinz sobota den minus-mann geschrieben: http://diepresse.com/home/leben/mensch/3852456/Heinz-Sobota_Das-Bose-wohnt-im-Menschen, das buch und die geschichte waren wohl bekannt. den hätte er übrigens auch kennengelernt, das sei eigentlich auch kein schlechter mensch, aber das schicksal halt.

ihm sei es ähnlich ergangen, in der kindheit nix wie hieb, und mit 16 mitten während der lehrzeit hat ihn dann der vater rausgeschmissen, weil kein platz mehr geblieben sei in der wohnung, wie die kinder immer gewachsen und grösser geworden sind.

ein schöner bua sei er gewesen, aber dann so mit ohne wohnung war das mit der angefangenen lehre auch bald vorbei, wenn man keinen platz hat zum schlafen und waschen und zuwenig geld und so, da hätt er im sommer beim übernachten auf einer parkbank am gürtel ein paar leut' aus dem milieu kennengelernt, und ein paar damen hätten ihn angelernt und ihm geholfen, und er hätt halt ein bisserl aufgepasst auf die ausserdem.

und dann hätt er eine verheiratete frau kennengelernt, die hätt ihn gesponsert mit einem zimmer und ordentlichem gewand, aber viel zeit hat sie nicht gehabt wegen dem mann, und der hat ja eigentlich das geld gehabt. und dann hat er noch eine kennengelernt, das ging dann ganz gut. und dann eine dritte, das war schon anstrengend, aber na ja, von nix kommt ja auch nix.

können hätt er ja nix ausser gut ausschauen und hochdeutsch und sich ein bisserl benehmen, das hat er von den damen aus dem milieu gelernt, und pudern halt, also: den geschlechtsverkehr ausüben, lang, ausdauernd und in variationen, z.b., ...

ähem.

na ja, entschuldigen. war halt so. das einzige, was er können hätt. sonst nix. aber die drei frauen sind irgendwie dahintergekommen und haben sich zusammengetan und dann war schluss mit lustig. hat er sich notwendigerweise ein paar andere suchen müssen, für das überleben in der schnelligkeit, und dann hat er der einen und dann noch einer anderen versprochen, dass er sie heiratet, weil er dachte die lassen sich eh nie scheiden. war aber nicht so, die haben ihn geliebt, aber zwei kann man ja nicht heiraten, zumindest nicht gleichzeitig, und dann hat ihn die eine angezeigt und die andere auch, weil denen die geschiedenen ehemänner nix mehr gegeben haben wie sie auf die geschichte draufgekommen sind, und er hat den frauen ja erzählt gehabt, dass er eh geld hätt aber nur momentan gerade nicht, und das hätten die geglaubt, und so weiter. dann kamen gerichtsverhandlung und urteil und: häfn. was sonst.

nach ein paar jahren, wieder in freiheit, was hätt er bitte tun sollen? kein geld, keine wohnung, keine familie, keine freunde die unter "normalen" umständen gelebt und ihm helfen hätten können, und die massanzüge waren auch schon fast wieder unmodern. aber ausgschaut hat er immer noch ganz gut, und p... hat er immer noch können wie ein weltmeister, nur sonst hat er nix können. aber das hat gereicht für den anfang, erst für eine, dann noch für eine zweite und dritte geliebte. die zeiten damals musste man auch bedenken, so kurz nach dem krieg, viele männer waren nicht mehr so wie die frauen sie gekannt hatten, oder sie waren überhaupt nicht mehr nach hause gekommen, da waren schöne männer mangelware, und männer, die immer gut aufgelegt und charmant waren erst recht.

na ja, hat auf dauer natürlich auch nicht gutgehen können, also: wiederum häfn, dermal halt ein bisserl länger als beim ersten mal. von da an - wenn frau kelef sich recht erinnert - noch zwei- oder dreimal, kwasi in endlosschleife.

während des letzten aufenthaltes hinter schloss und riegel hätt er die geschichte seines lebens aufgeschrieben, ganz detailliert, und dann hätte ein lektor das gelesen und korrigiert, und ein verlag hätte das eben, bitteschön hier, auch gedruckt, alles schon bezahlt, man müssert es nur noch verkaufen und vorher also bekannt machen und bewerben und so.

wie lange er denn schon wieder an der frischen luft sei? erst ein jahr? puh - wie hätte das denn funktioniert, so mit buch und schreiben und lektorieren und verlag und drucken und ... bezahlen?

no, was wir denn glauberten? natürlich hätt er schon vom häfn aus annoncen beantwortet von alleinstehenden damen, also: mehreren, und sich dann überlegt wie und was. was anderes - ausser p... - könnert er ja nicht, weil ausbildung in seinem alter im häfn war fehlanzeige. und gearbeitet hätt er ja nie, was hätt er denn, bitteschön, tun sollen? in die kirche gehen und um ein wunder beten? aber er hätt gelernt aus seinen fehlern, die derzeitigen könnten sich nicht treffen, da seien immer ein paar hundert kilometer dazwischen, hauptsächlich finanzieren tät ihn aber die, die in wien lebert, und die tät er uns natürlich bei gelegenheit auch gerne vorstellen, das sei eine ganz feine und liebe, und gar nicht dumm. und die hätt er wirklich sehr gern, richtig verliebt sei er in die, in die anderen natürlich auch ein bisserl, aber die seien nur irgendwie schwer zum loswerden, so ganz genau selektieren hätt er aus dem knast heraus doch nicht können, und wirklich und bewusst kränken kann er eine frau eigentlich auch nicht. aber die eine, die wienerin, die hätt ihn sogar mit dem cabriolet abgeholt vor dem tor damals, deshalb sei er dann auch gleich bei ihr geblieben.

tatsächlich kam er dann auch eines tages mit ihr, und tatsächlich war das eine ganz liebe und nette. mit ordentlich geld, aber nun ja no na no ned. und sie hat ihm auch jedes wort geglaubt von seiner läuterung und dem streben nach einem anständigen weg im leben.

und da mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit alle hier erwähnten ausser frau kelef schon tot sind, kann man die geschichte wohl auch aufschreiben. erstens ist sie wirklich so passiert, und zweitens: was erwartet unsere justiz, unsere gesellschaft, unser system denn von vielen der menschen, die unter solchen oder ähnlichen umständen irgendwie auf eine bahn geraten sind, auf die sie ursprünglich gar nicht wollten? es kommt doch keiner mit zwanzig auf die idee, als berufswunsch heiratsschwindler anzugeben und das dann auch noch in die tat umzusetzen, oder?

manchmal allerdings liest man dann einen artikel der hochgepriesenen journaille, da beschleicht einen das gefühl den hat wer geschrieben, der von der realität so viel ahnung hat wie, pardon, eine kuh vom stricken: http://www.vienna.at/betrug-heiratsschwindler-arbeitete-als-freigaenger-bei-der-wiener-polizei/4736582

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