Mittwoch, 1. Dezember 2010
denn erstens kommt es anders
und zweitens als man denkt. kennt man ja.

nun war also der arm ruhiggestellt, das röntgen hatte einen glatten bruch knapp unterhalb des schultergelenks gezeigt, der grosse gelenkkopf auch ein wenig angeknackst wie ich meinte. so ein stoffverband hat ja eine menge vorteile, ich meine: zwar oberarm straff an den körper, arm in der schlinge (ebenfalls am körper), aber doch nicht so unbeweglich wie in einem gips. tut zwar weitaus mehr weh, aber da sich bei solchen verletzungen ja auch riesige blutergüsse bilden und die verletzten teile anschwellen wie blöd hat es auch vorteile dass nicht alles so starr ist, sonst gibt das nämlich druckstellen und durchblutungsstörungen etc. als draufgabe. nur sollte man sich nicht bewegen (müssen) die ersten paar wochen. dafür ist man dann aber wiederum weitaus schneller wieder hergestellt als wenn man einen gips verpasst bekommen hat. daher also die worte von frau tante kitsch: das muss so.

nachdem also der samstag mühsam überlebt war, und die nacht irgendwie auch herumgegangen, da fiel mir glühendheiss ein: da war noch was geplant für den samstagabend, und auch für den sonntagvormittag.

nämlich: erstens am samstag noch die eingefrorenen 8 kg (in worten: acht kilogramm) preiselbeeren einkochen, damit zweitens im tiefkühler wieder platz sei, und auch die gläser wieder wohlgefüllt und der einsiedezucker aus den schränken sei, und drittens wäre dann platz für die rund 25 kg fleisch und selchgift welche, sie erraten es, am sonntag vormittag geliefert werden sollten.

der einkochhäfen ist ziemlich gut und hoch oben verstaut, über den brauchte ich gar nicht nachzudenken, und über den rest eigentlich auch nicht, denn der arm schmerzte ziemlich. und unter ziemlich verstehe ich: sehr. andere würden vermutlich sagen unerträglich, aber ich bin ja auch mit fünf gebrochenen rippen nach drei tagen wieder im büro gesessen (und ja, ich weiss was ein pneumothorax ist, aber sicherheitshalber war ich damals erst einmal gar nicht beim arzt, hahaha, sooo weh tat das ja auch wieder nicht).

gibt ja aber mittel gegen schmerzen, und als bekennender tramal-junkie weiss ich auch damit umzugehen: immer so viel dass es wirkt und so wenig wie möglich. ich vertrag das zeug nicht sonderlich gut, aber der zweck heiligt die mittel. und mit ein wenig alkohol dazu benötigt man auch weniger chemie, die muskelentspannende wirkung ist sehr positiv und wummsinnig bin ich sowieso nach einnahme derartiger substanzen.

alles paletti, also. wieso wirkte das zeug nicht? falsche flasche? noch ein wenig nachgenuckelt, dann aber war mir schlagartig klar wie das ist mit den nebenwirkungen die da zum beispiel sind: mundtrockenheit, vermehrtes schwitzen, schwindel, konzentrationsschwächen, etc., tolle sache.

die fleischlieferung kam, ich wurde mit einem entsetzten "um gottes willen, wie schaust du denn aus!" begrüsst, und dann gebührend bedauert, glaube ich, weil meine konzentrationsfähigkeit siehe oben.

tante kitsch musste umgehend wieder herbeigerufen werden und nahm doppelt so viel mit wie sie eigentlich gewollt hatte, aber der gedanke an welche tätigkeiten auch immer war mir ziemlich fern, grösster wunsch: ruhig sitzen und nur nicht bewegen.

die benachbarte freundin wurde ebenfalls herbeizitiert und mit unterbringung von fleisch und selchgift beauftragt, ebenso mit dem verkochen desselben und anschliessender fütterung meiner lieben person. geht ja alles, wenn man will.

frau tante führte die kleine wauwau noch rund um die häuser und überliess mich dann, der not gehorchend, meinem schicksal. vor erschöpfung und medizin bin ich, denke ich, dann ein wenig eingeschlafen im ohrensessel, bis dat julchen schmusen kam und mir - sie erraten es - auf den arm latschte. auweh.

das mit dem aufstehen aus dem lieblingssessel gestaltete sich auch schwierig. einerseits ist das fauteuil super, weil es eine elektrische steuerung hat und man also die beine hochlegen und die rücklehne nach hinten kippen kann, und der sessel spuckt einen auch quasi auf die füsse. irgendwie ist man aber doch gewöhnt die arme zu hilfe zu nehmen beim aufstehen und beim niedersetzen, besonders dann wenn man sowieso schon rücken hat (nur keine schiefe bewegung), und die arthrosen in den knien sind auch nicht hilfreich.

bücken ging nur, wenn die rechte hand den linken unterarm festhielt. dann hat man aber keine hand mehr frei.

alles was runter fiel und sich nicht mit der langen wurstzange aufheben liess blieb ergo liegen bis jemand kam der es aufhob. fallweise wurden teile auch unter den kasten getreten. manches liegt dort jetzt noch, wenn sich die katzen nicht erbarmten.

socken anziehen dauerte fünf minuten. wenn dann auch noch die hose dazukam und die jacke, weil so eine kleine wauwau muss ja öfter mal raus, dann war ich so erschöpft dass ich mich erst einmal ausruhen musste bevor ich die kleine wauwau anzog.

pixy allerdings - was bin ich stolz auf sie - hatte innerhalb von zwei tagen ganz genau begriffen wie sie sich hinstellen und dann herumdrehen musste damit ich sie in ihr geschirr stopfen konnte, und dass sie dann ordentlich gehen musste und nicht wild herumhüpfen durfte. die erste runde machte noch die benachbarte freundin mit uns, dann ging das schon alleine - vorsichtig, aber es ging.

computer einschalten? fehlanzeige, weil knopf nur umständlich und mit bücken zu erreichen.

brot abschneiden? machen sie mal mit einer hand.

katzeklo wird hier ja mehrfach täglich betan. ist logischerweise am boden. also hinknien und dann langsam wieder hoch. nach drei tagen hatte das rechte knie eine hübsche schleimbeutelentzündung aufzuweisen, die alle bisher dagewesenen an anderen gelenken definitiv toppte. man gönnt sich ja sonst nix.

lesen war auch so eine sache, buch frei halten mit einer hand ist bäh, und vornübergeneigt am tisch sitzen ging nicht.

kurzfristig empfand ich dankbarkeit für die väterlichen ohrfeigen wegen: man kann sehr wohl kerzengerade sitzend mit einem buch auf dem kopf unfallfrei suppe essen. hat was, in solchen fällen, wenn man das mal gelernt hat. denn die nachbarin kochte suppe, die tante brachte suppe und gulasch, alles ganz vorzüglich und für mehrere tage jeweils. toll auch wenn ein voller topf im kühlschrank steht und keiner rechtzeitig darüber nachdenkt wie man mit einer hand einen schweren kochtopf mit vier liter inhalt aus dem oberen fach des kühlschranks auf den herd bringt.

die wasserschüssel der tiere steht auf dem boden. bücken siehe oben. frisches wasser also hiess: niederknien, wasserschüssel auf ein stockerl stellen, aufstehen, wasserschüssel in die abwasch und einhändig waschen, auffüllen, auf das stockerl stellen, niederknien, wasserschüssel runterstellen, aufstehen. ohne zu verschütten, meine ich.

eine menge zimmerpflanzen hier sind ziemlich hoch oben untergebracht.

gerne nutzte der neue fernseher die gelegenheit, kein bild mehr von sich zu geben. weniger gerne - man versteht das - nahm frau tante kitsch sich auch dieser schweinerei an, und hurtelte mehrfach richtung verkaufsgeschäft, installierte leihgerät, etc.

waschen ging so spärlich, jeden zweiten tag hirschte die liebreiche tante herbei und wickelte mich aus dem verband damit ich in die badewanne konnte. was für ein spass da wieder herauszukommen - die tante verliess das badezimmer und weinte leise bei diesem vermuteten anblick. ich verstand das.

die waschmaschine ist von vorne zu bestücken, also: niederknien und mit kerzengeradem rücken die einzelnen wäschestücke mit einer hand ...

haben sie schon einmal mit einer hand wäsche aufgehängt, besonders auf kleiderbügel? vom zusammenlegen red ich erst gar nicht, oder vom reinräumen in schränke. man kann aber auch alles herumliegen lassen, sieht nicht so toll aus, ist manchmal aber von marginaler bedeutung.

schraubverschüsse können unüberwindliche hindernisse darstellen, auch die von limoflaschen. man kann auch wasser trinken.

ich bin überzeugte gewohnheitsbeidhänderin. manche sachen mache ich ausschliesslich mit links. zum beispiel den telefonhörer halten und wählen. auch die rechenmaschine seit jeher: mit links. die entsprechenden fenster öffnen und schliessen: mit links. ich kann sogar ausgezeichnet einhändig tippen: mit links. viecher bürsten: mit links. und vieles anderes, weil es sich einfach oft ergibt aus situationen heraus über die ich normalerweise gar nicht nachdenk, erst wenn jemand erstaunt schaut.

da war übrigens noch die sache mit dem einkaufen. das wurde an den bereits zitierten lieben siegi delegiert, ebenso wie verschiedene umräum- und herräumaktionen etc., und ich kann ihnen nur sagen: so einen siege sollte jeder haben in so einer situation. kommt auf zuruf, macht was gemacht werden muss, tratscht ein wenig und tröstet ein wenig und ist auch noch ein grosser fan der kleinen wauwau, und umgekehrt. sogar dat julchen spricht mit ihm, und das will was heissen.

im wirtshaus des vertrauens das essen kleingeschnitten bestellen ist auch eine art mutprobe. und vor allem: ich mag es ja gerne hüppsch auf dem teller. wenn mir wer die bratensosse über die beilagen giesst ess ich das schon nicht mehr. und ich wollte eigentlich auch gar nie nicht wissen wie frisch gebratenes spanferkel aussieht wenn es, losgelöst von den angestammten knochen, kleingeschnitten neben einem zweigeteilten knödel liegt. oder wie milchferkelstelze mit wurzelwerk und bouillonkartoffeln in würfelchenform aussieht. oder schnitzel in streifen. es muss aber angemerkt werden, dass die chefin der küche das problem jeweils mit der grösstmöglichen ästhetik löste, chapeau.

ich hasse vorgeschnittenes brot, warum auch immer. kommt gleich nach vorgeschnittenem käse.

obst ist gesund: schon mal einhändig eine kiwi gegessen oder eine mandarine? rosa grapefruit mag ich auch, theoretisch.

man muss es aber positiv sehen: ich wollte sowieso abnehmen. geht doch, auch wenn ich mir das anders vorgestellt hatte.

einhändig zum bankomat und dann das geld einstecken, während die kleine klavklav sich orientierend umsieht? tolle sache.

man wächst an seinen aufgaben, stellte ich fest. und anderen geht es weitaus schlechter, und zwar nicht auf zeit, sondern auf dauer. muss ja auch gesagt werden hier, in der zwischenzeit kann ich ja schon wieder lachen über die problemchen, war alles irgendwie zu lösen, und über den rest denk ich einfach später nach.

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