Mittwoch, 14. Oktober 2015
diese elendige geschichte mit der integration
ist ja immer so eine sache. ganz besonders, wenn es dabei um flüchtlinge geht, was frau kelef allerdings leider nur sehr teilweise verstehen kann.

natürlich muss man sich, gar keine frage, immer in irgendeiner form der umgebung anpassen und dem land, in dem man sich gerade befindet, sowie den herrschenden sitten und gebräuchen. grundsätzlich ist es auch so, dass jede "firma", und sei es auch nur ein verkaufsladen mit zwei angestellten, eine eigene "kultur" hat, in jedem mehrparteienhaus herrschen eigene gesetze, und so soll es auch sein. man muss sich immer anpassen. das ist einerseits eine frage des anstandes und der höflichkeit, manchmal kann es aber auch durchaus gesundheitsfördernd, wenn nicht gar lebenserhaltend, sein, dass man sich anpasst. oder halt integriert, wenn man längere zeit in einem land oder einer gesellschaft oder einem haus zu arbeiten und/oder zu leben gedenkt. sitten und gebräuche einer hausgemeinschaft, einer firma, eines landes, in der/die/das/dem man lebt, zu kennen, zu verstehen und sich nach tunlichkeit anzueignen ist eigentlich immer eine absolute notwendigkeit.

aber da erzählt mir doch kürzlich ein russisch-gebürtiger uralt-freund (uralt weil erstens: in unserem alter, zweitens: wir kennen uns seit 44 jahren), der gerade opa für zwei kleine chinesenkinder, die in österreich geboren wurden, spielt, eine kleine geschichte. die kinder, 5 und 7 jahre alt, haben deutsch von ihm gelernt, weil: die eltern können nur chinesisch und englisch, deutsch einfach nicht gut genug um es den kindern weitergeben zu können. im kindergarten ist das auch so eine sache, weil: multilingual, was gut ist, weniger gut ist dass die kinder da auch mit polnischen, russischen, ungarischen und ein paar anderen bislang unidentifizierten worten und sätzen zuhause aufschlugen. der bub geht jetzt in die erste klasse, dortselbst ist alles gut. die oma der kinder kam neulich zu besuch, und haste nicht gesehen sprechen die kindelein halt jetzt wieder mehr chinesisch, was frau pixy ein wenig irritierte, aber mit handzeichen war das auch kein problem, sie ist ja gebürtige ungarin.

jedenfalls war die oma viel mit den kindern unterwegs, und aus diversen hier nicht näher zu erläuternden gründen macht die oma um manche personen einen grossen bogen. z.b. um alles, was eine uniform anhat.

die kindelein wiederum sind, aus verschiedenen gründen, in einer agentur angemeldet für diverse film- und werbeaufnahmen, und so kam es dass die kleine in einem film mitspielen sollte. thema: multikulti, blablabla, und die kinder sollten zeigen dass sie vertrauen haben zur polizei, die ihnen hilft und beisteht und blablabla. und was passiert? die kleine macht um die uniformierten einen bogen, einen grossen, unauffälligen, immer wieder, kann aber auf befragen nicht erklären warum.

denkste dir erst nix dabei, sondern wunderst dich. so hat man der das nicht erklärt, ganz im gegenteil. dann schaut man und denkt nach und überlegt so, und dann versteht man dass das kind das so zur gleichen zeit von der oma so gesehen und einfach intuitiv nachgemacht hat. was ein ziemlicher vertrauensbeweis ist, eigentlich: zur oma, nicht zur polizei.

natürlich ist sowas im täglichen leben in mitteleuropa kontraproduktiv, in vielerlei hinsicht. als wir dann aber so darüber sprachen, stellte sich heraus: wir beide zwei machen das auch so, wenn wir nicht aufpassen. der uralt-freund weil, wer anno 1941 in russland geboren wurde, eine lebenslange natürliche scheu vor allen uniformen hat, und ein paar andere erlebnisse haben das vertrauen nicht gefördert. frau kelef aber, um ehrlich zu sein, hat die gleiche natürliche scheu, jahrelange ostblock-erfahrungen und die zeit in der ddr haben ihre spuren hinterlassen. dass es den ostblock in dieser form nicht mehr gibt, dass sich da ganz viel geändert hat, das ist zwar in unseren köpfen, wenn wir logisch darüber nachdenken, durchaus angekommen, aber wenn wir die blaujustierten spassverderber auf der strasse sehen, wechseln wir instinktiv auf einen anderen gehsteig, oder überhaupt in eine andere strasse. auch die liebliche tochter von frau kelef hatte übrigens seinerzeit als kind innerhalb von nicht einmal zwei wochen das gleiche getan: vopo -> strassenseitenwechsel, möglichst unsichtbar machen. und nein, frau kelef hat ihr das nicht angeraten, sie hat es einfach nachgemacht.

genauso übrigens, wie frau kelef sich seinerzeit automatisch anstellte wenn vor einem ostblock-kaufhaus eine schlange stand. sie hatte zwar immer geld genug, im gegensatz zu vielen anderen, aber wenn wo eine schlange stand dann gab es da was zu kaufen was es sonst nicht gab. auch jahre später, als wir schon lange wieder in wien lebten, konnten wir das noch immer: schlange sehen, hinten anstellen, dann nachdenken "was mach ich hier", und mit schamesroten wangen unauffällig das weite suchen.

je nun. wird man auf die eigenen merkwürdigen verhaltensmuster in dieser weise aufmerksam, mag es ja lustig sein, für einen selber, möglicherweise auch für die geneigten betrachter, soferne denen das überhaupt auffällt und sie sich dann auch noch die mühe machen darüber nachzudenken.

was aber heisst das, und das macht frau kelef tatsächlich ein wenig kopfweh, für das thema integration ganz generell? liest man so in diesem internetz herum, oder hört sich die meinungen vieler leute an, dann hat man manchmal das gefühl im falschen film zu sein, mit verlaub. nun hat frau kelef in den letzten jahrzehnten eine menge leute mit migrationshintergrund kennengelernt und unterstützt, aus den verschiedensten ländern und kontinenten, die aus den verschiedensten gründen hier gelandet sind. und ganz ehrlich: die hatten es alle nicht einfach.

es sind aber sehr oft gar nicht die grossen dinge, über die da gestolpert wird, es sind zunächst einmal die kleinen an denen die menschen verzweifeln. da werden dunkelpigmentierte menschen einfach öfter von der polizei kontrolliert, weil sie - siehe die zwei kleinen chinesen - intuitiv beim anblick von uniformen eher die strassenseite wechseln: da müssen die doch was ausgefressen haben. gehen die selben dunkelpigmentierten menschen aber auf der gleichen strassenseite weiter, dann wird das schnell als aggressivität interpretiert. und ausserdem wirken die dabei manchmal so verkrampft ... da haben diese menschen sich dann endlich bemüht, ihre inneren ängste zu überwinden und sich "angepasst und normal" zu verhalten: wieder falsch. dass viele dieser menschen lange in einem umfeld gelebt haben, in dem eine uniform so gut wie nie was gutes zu bedeuten hatte, das kommt den meisten "hiesigen" gar nicht in den sinn.

tatsächlich gibt es einige kulturen, in denen kopfschütteln bejahung, nicken verneinung bedeutet. beim übersetzen kann das ganz schön schwierig werden, schon beim zuschauen.

viele essen aus der hand. wissen se was? dieses unsägliche essen-to-go geht frau kelef auch gewaltig auf die nerven. links isst einer mit stäbchen nudeln aus der schachtel, rechts saugt eine ihren kaffee aus dem pappbecher, die kinder stopfen sich pizzastücke aus dem karton in die mäuler, und letztlich riecht es dann sogar auf der strasse nach einer mischung aus kaffehaus, pizzeria und asia-lokal, gewürzt mit ordentlich knoblauch und zwiebel. sicherlich ist das einerseits eine kostenfrage, andererseits aber auch gewohnheit. oder wussten sie, dass es in vielen ländern sitte ist, fleisch am markt zu kaufen und dann zu kleinen ständen zu bringen, um es braten/grillen/kochen zu lassen? gegessen wird oft nicht im haus, sondern davor oder im hof, so vorhanden. weil: erstens hat nicht jeder einen passenden herd zu hause, wenn er überhaupt eine küche hat, und zweitens ist es im haus zum kochen oft viel zu heiss. und man braucht nicht nur einen herd, sondern auch irgendwas womit man feuer machen kann. und leicht brennbares in wohnungsnähe ist in heissen ländern eher unerwünscht. so ist es übrigens nicht nur in vielen afrikanischen, sondern auch in asiatischen ländern.

und da ist auch die sache mit den tischmanieren. jo eh: lernt man schon als kind. in japan und china zum beispiel lernt man, mit stäbchen zu essen, was einem bei einem wiener schnitzel oder einer pizza nicht wirklich hilft. schaut man sich wiederum manche wiener an, dann haben die, man verzeihe mir, vermutlich gemeinsam aus einem napf geschlürft als kinder.

die amis schneiden ihr essen erst klein mit messer rechts und gabel links, linkshänder natürlich umgekehrt, jedenfalls wird anschliessend die gabel in die hand genommen, die vorher das messer gehalten hat, und mit der wird die nahrung dann zum mund geführt. diesbezüglich gemischte tischsitten sind gewöhungsbedürftig - versuchen sie doch mal selber!

in vielen ländern isst man am tisch, gerne rundherum, und sitzt dabei auf sesseln oder bänken. wiederum in sehr vielen ländern sitzt man beim essen aber auf dem boden oder lehnt auf niedrigen sofas, und hat ganz niedrige tische vor sich. und auch wenn jemand sehr geübt ist: mit messer und gabel geht da gar nix.

in manchen ländern kommt die sauce auf die beilage, in manchen daneben. in manchen ländern kommen grosse schüsseln auf den tisch, aus denen sich jeder bedient, in manchen ländern eine grosse platte, von der sich jeder nimmt. in manchen ländern wird der fertig angerichtete teller auf den tisch gebracht. fun fact: während es total toll ist, im urlaub total urig total original gemeinsam diverse total lokale spezialitäten aus einem gemeinsamen topf zu essen, wie es, wenn man dem kino glauben darf, sogar die kaiserin sisi mit ihrem franzl auf der alm getan hat, da ist es ganz schrecklich wenn in manch anderen ländern riesige, mit den verschiedensten gerichten gefüllte platten auf dem tisch stehen, und zusätzlich noch jede menge schüsselchen mit allen möglichen zutaten daneben. ähh???

in vielen - nicht nur afrikanischen - ländern wird dünnes fladenbrot in stücke gerissen und zum aufnehmen von fleisch, gemüse und saft verwendet. wenn man das geübt hat, als kind zum beispiel, dann ist das eine höchst manierliche art der nahrungsaufnahme. hilft bei wiener suppentopf, backhendl oder kaiserschmarrn mit zwetschgenröster aber nur marginal.

diese muslime und juden essen kein schweinefleich. jo eh. die meisten altgedienten österreicher, zum beispiel, essen übrigens kein lamm. straussenfleisch und wild ist auch beileibe nicht jedermanns sache. nebstbei aus den gleichen gründen: haben sie als kinder schon nicht gekriegt, dann als jugendliche nicht, oft haben die verziehungsberechtigten aus welchen gründen auch immer das als "grauslich" bezeichnet, und jetzt schmeckt es ihnen einfach nicht mehr. viele gewürze, die in den einen ländern zu den speisen und rezepten passen, passen ausserdem nicht zu den speisen anderer länder. und die speisen und rezepte haben sich im laufe der jahrhunderte letztlich aus dem angebot der örtlichen flora und fauna entwickelt, erst in den letzten jahrzehnten hat sich da einiges verschoben. so wie die englische küche gewöhnungsbedürftig ist für österreicher (hammelbraten mit minzsauce), so ist auch die ungarische küche gewöhnungsbedürftig für deutsche (gulasch und gulyas und paprikas und pörkelt und halaszle sind übrigens höchst verschiedene gerichte), und die böhmische (knödel)küche findet in italien wenig anklang. das hat nix damit zu tun, dass da irgendwas dran schlecht ist, sondern: man ist es nicht gewohnt. aber der somalier soll, bitteschön, schweinsbraten-knödel-und-kraut essen, weil: hier ist das halt so. zu hören kriegt man das übrigens von genau den leuten, die sich darüber beschweren dass es in der lounge auf der safari in kenia kein schweinsschnitzel gegeben hat, sondern nur hühnerschnitzel (und das war übrigens junge ziege ...). und in rom kriegt man keine burenwurst. aber die syrische mutter soll ihren kindern doch bitte per sofort beibringen, dass dunkles brot viel besser ist als weisses ...

alte hunde lernen leichter neue kunststücke als menschen, neue speisen und gewürze zu schätzen, sagt frau pixy, und die muss es wissen.

das essen mit dem besteck wurde neulich auch irgendwo thematisiert. jo eh: erstens ist das halt nicht überall so üblich wie "hier", weil man anderes besteck verwendet, was sich wiederum aus dem o.a. ergibt. zweitens: wenn man länger z.b. auf der flucht oder sonstwie unterwegs ist, dann ist das mit dem gedeckten tisch und dem besteck und den servietten halt manchmal so eine sache, eine klitzeklein komplizierte. aber schauen wir uns doch einmal selber in einem "normalen" lokal um: wie viele leute schneiden die knödel in stücke, reissen dem brathendl einen haxen aus und nagen den dann aus der hand ab, brauchen einen löffel zum spaghettiwickeln, kippen den suppenteller, und wischen sich den mund nicht ab bevor sie trinken? ach ... uuups.

und das grüssen. das mit dem händeschütteln ist einfach, frau reicht mann die hand, hand gereicht wird "von oben nach unten", vorgestellt wird umgekehrt, gleichrangige werden bekanntgemacht. so weit, so gut. engländer und amis geben meist gar nicht die pfote. und wer hat eigentlich die unsitte aufgebracht, kinder aufzufordern unaufgefordert die hand zu geben? hallo?

frau kelef gesteht übrigens, auch selbst manchmal durch die bussi-bussi-kultur der neuzeit ein wenig konfusiert zu sein. manche kulturen küssen dreimal, manche zweimal, manche küssen richtig, manche auch auf den mund, wiederum andere berühren nur die wangen. manche kulturen umärmeln sich dabei, manche klopfen sich auch noch die wirbelsäulen und schulterblätter dabei kaputt. kann bei einer grösseren gesellschaft schon einmal verwirren.

lässt man aber das händeschütteln und das bussi-bussi sein, und reduziert sich auf den wortgruss: was ist da richtig? guten tag ist piefkineserisch, grüss gott ist katholisch, hi ist amerikanisch-despektierlich, salam ist "islamisch", hello ist kitty, guten-morgen - mahlzeit - guten-abend - schönen tag - auf wiedersehen ist wiederum situations- resp. tageszeitabhängig, hallo gehört zum telefon, usw., also wie jetzt?

natürlich gibt es auch noch die kulturen, in denen man den entsprechenden gruss ausspricht und dazu die passenden handbewegungen macht und/oder sich verneigt. japan und viele arabische länder, z.b.. in china wiederum reicht man schwächlich die hand, was in europa eigentlich unhöflich ist: ein händedruck hat relativ fest zu sein. reduziert man sich in österreich auf ein kopfnicken, gilt das in vielen fällen als arrogant oder aber als das unausgesprochene ersuchen, in ruhe gelassen zu werden. kennt sich jeder aus, ja?

betten machen. jo eh. einfache übung. kennen sie die tucked-in blankets aus england? nein? na, sehen sie. da kommt ein leintuch über das leintuch, und dann die bettdecke darüber. man schläft zwischen den leintüchern, von denen das obere an zwei resp. drei seiten unter der matratze festgesteckt ist, damit man die füss' nicht lüften kann, oder so, und obendrauf liegt die bettdecke, die durchaus eine zierdecke sein kann. wiederum woanders schläft man mit vielen dünnen decken, wiederum woanders mit einer tuchent. ausserdem: mit ein oder zwei polstern, manche haben auch noch ein kapriz-polsterl zusätzlich. in manchen ländern sind aber kopfpolster gar nicht üblich.

in ganz vielen ländern, england sei dank, gibt es übrigens links-verkehr. kann ganz schön verwirrend sein, z.b. für uns wenn wir nach england fahren. oder nach australien. oder so. umgekehrt ist es, so wurde berichtet, genauso. und es geht da beileibe nicht nur um wo gefahren wird, sondern auch um die logische auffindbarkeit von z.b. stationen oder bahnsteigen. wirklich wahr, kann man im selbstversuch überprüfen.

pünktlichkeit: ist die höflichkeit der könige. und dann wäre da noch das akademische viertelstünderl. und die höflichkeit, bei manchen einladungen nicht auf die minute genau zu erscheinen, damit die hausfrau nicht in bedrängnis gerät wenn irgendwas bei den vorbereitungen schief gegangen ist. wohingegen es bei manchen verabredungen wiederum sehr wohl auf die minute ankommt, weil ... aber den knigge kann ja jeder lesen. in vielen ländern kennt man den übrigens nicht, da gelten andere sitten. da ist man z.b. ganz schlimm ungezogen wenn man auf die minute genau erscheint. und welches ist eigentlich der richtige zeitpunkt, sich zu verabschieden?

richtig angezogen ist man grundsätzlich gerne, ebenso wie gut angezogen. und dann schauen wir uns einmal an, in welch unsäglichen monturen viele leut' herumlaufen, und dabei meinen, schön zu sein, z.b. mit hotpants über strumpfhosen und dazu hohen stiefeln zum spaghettiträger-top: im august. fischbauchfarbene behaarte altmännerbeine in shorts sind ebenfalls von mässiger attraktivität: egal ob die pilznägel in den sandalen von socken bedeckt sind oder nicht. von der kriegsbemalung mancher x-chromosomenträgerinnen gar nicht zu reden. da gefallen mir gesichtsschleier besser, es sei denn, die trägerin hat einen steifen hals und rennt überall dagegen weil sie sich nicht umdrehen kann. und wenn verschiedene geistliche verschiedener religionen in langen kutten und mit kapuzen oder was auch immer herumlaufen, und schotten im kilt, warum darf dann z.b. ein araber nicht in seiner tracht oder sonstwie gewohnten gewand herumlaufen? und ordensfrauen tragen doch auch vielfach lange, schwarze überkleider und eine kunstvolle kopfbedeckung, die das haar nicht sehen lässt? die einen dürfen das, weil das bei denen dazugehört, die anderen dürfen nicht, weil das bei denen dazugehört? was in den einen mitteleuropäischen ländern gerade als "schön" gilt, deckt sich übrigens trotz hasi&mausi und ähnlichen geschäften nicht unbedingt immer mit dem, was im nachbarland gerade en vogue ist.

aber der afghane, der mit seinem ganzen hab und gut in einem plastiksackerl daherkommt, der hat nicht einmal ordentliche schuhe an, aber dafür gestylte haare. jetzt verrät ihnen frau kelef mal was: schuhe kosten geld, haare stylen machen die freunde, das kostet gar nix. und die sache mit dem bart: klar, das zweimal tägliche rasieren ist den leuten ein grundbedürfnis, so zu fuss unterwegs ohne wasser, seife und spiegel im regen auf der landstrasse. und letztlich ist es dann so, dass der bart einmal da ist und den kann man mit der schere pflegen und in form halten: rasieren ist da wesentlich schwieriger, wegwerfrasierer muss man nämlich erst kaufen bevor man sie nach gebrauch wegwerfen kann. aber die bartweltmeisterschaften, die sind toll. und wenn brad pitt einen bart trägt, wollen den tausende andere auch: genauso.

es ist tatsächlich komplizierter, als man meint, in vielerlei hinsicht. dabei ist das thema mit den verschiedenen sprachen und sprachgebräuchen in dieser elendslangen abhandlung noch gar nicht vorgekommen. da war doch auch noch die sache mit dem du und dem sie, und der grammatik mit den vielfach viel mehr oder weniger fällen, und den deklinationen und konjugationen, und wer wusste eigentlich bis jetzt dass es in verschiedenen ländern ganz verschiedene methoden gibt, kinder ans rechnen heranzuführen? kinder tun sich leichter, meinen viele, aber: wer hat schon verinnerlicht, wie viele verschiedene schulsysteme es eigentlich gibt? das ist in unseren eigenen ländern vielfach schon schlimm genug, rechnet man aber mehrere herkunftsländer noch dazu, ist das chaos perfekt. so einfach von einer schule in die "passende" klasse der anderen schule zu schlüpfen ist schon problematisch genug, rechnet man dann noch andere sprache und anderes schulsystem dazu, ist ein zumindest kurzfristiges scheitern der kinder vorprogrammiert. und in den meisten fällen kommen die kinder auch nicht in den schulferien (die nicht einmal in einem mickey-mouse-staat wie österreich überall gleichzeitig anfangen) in ein land, sondern irgendwann wie es wem auch immer gefällt.

und wer meint, slawische sprachen sind vom vokabular her meist idem, dem kann ich mitteilen dass das russische "trudno" auf deutsch "mühsam, schwierig" heisst, und das kroatische "trudno" auf deutsch "schwanger". wobei, natürlich, eine schwangerschaft schon auch mühsam und schwierig sein kann, aber so einfach ist es dann auch wiederum nicht.

wie man all diese kleinen, bei näherer betrachtung teils völlig unwichtigen kleinigkeiten in einem schnellsiedekurs in menschen, die aus welchen gründen auch immer in einer ausnahmesituation sind, hineinbekommen kann: das rezept hat frau kelef leider auch nicht. akzeptanz, geduld und verständnis helfen aber ganz ungemein, ebenso wie die erkenntnis, dass "anders" ein synonym für "nicht so wie" ist, und nie und nimmer negativ konnotiert sein darf. das wäre schon einmal ein guter anfang.

denken wir alle doch manchmal ein wenig darüber nach.

oh, und: danke für ihre aufmerksamkeit.

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Ja
Besten Dank für diesen Text. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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Ach meine liebe Frau Kelef,
ich könnte sehr viel dazu sagen, denn ich hab in sehr vielen verschiedenen Ländern gelebt und gearbeitet oder auch Urlaub gemacht - und sogar 2x im Ausland geheiratet (und Kinder bekommen).
Überall habe ich mich angepaßt und für mein "Dortsein" gewisse Gebräuche angenommen. Allein schon, um als Gast nicht negativ aufzufallen und wirklich willkommen zu sein. Und das war für mich völlig normal.
Ich habe überall wo ich war, alles und in jeder dort üblichen Form gegessen (zugegeben, irgendwelche Würmer oder Heuschecken waren zum Glüclk nicht dabei).
Und ich habe überall sehr schnell ausreichend parlieren gelernt - weil ich das so wollte und weil ich die Menschen besser verstehen wollte. Ich hab mich z.B. in Ägypten ausserhalb meiner Arbeit fast nie mit Österreichern oder Deutschen getroffen, sonddern überwiegend mit Ägyptischen Familien. Und vieles mehr, denn das gehört alles dazu, in einem anderen Land anzukommen.

Und ein Bißchen davon erwarte ich sehr wohl auch von Menschen, die aus einem anderen Land kommen und bei uns - besser als in ihrem Land - leben wollen.
Es gäbe noch so unendlich viel mehr darüber zu schreiben, aber das ist wohl eine andere Geschichte ;)
Grüßen Sie mir Frau Pixy ganz besonders!

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allerliebste grüsse zurück von frau pixy, und auch von dem immer noch nach dem grossen schwarzen elegantkatz rufenden julchen (sie tut mir so leid!).

den willen zur anpassung erwarte ich genauso, das ist ja aber nicht das problem. das problem ist, dass ganz viele der menschen, die gerade jetzt ins ausland kommen, eine durchaus gute erziehung mit allem pipapo haben, und auch eine ebensolche bildung. nur dass, und das ist die krux, das von sehr vielen "hiesigen" einfach nicht als "andere länder, andere sitten" gesehen wird, sondern als "kein benehmen" und "keine bildung".

für einzelne personen, die in einen anderen kulturkreis oder ein anderes land heiraten, ist das viel einfacher: die werden meist von der familie aufgefangen, alle rundherum reden die "neue" sprache, und es wird ihnen viel mehr geduld entgegengebracht.

flüchtlingen oder migranten gegenüber ist man aber - besonders wenn es mehr als eine person auf einmal ist - ganz und gar nicht so duldsam. und aus dieser unduldsamkeit, die wiederum aus unkenntnis und nicht-denken resultiert, wird dann ablehnung. oder die leut' wirken überhaupt suspekt, schon wenn sie die strassenseite wechseln.

dummheit ist in vielen fällen - auf seite der "hiesiegen" natürlich auch noch ein faktor. wer sich selber aufgrund seines geburtsortes für das mass aller dinge hält, wird nicht fähig sein anderen auf dem weg in einem neuen leben in einem neuen land zu helfen. man muss erst akzeptieren dass hinter dem berg auch noch leute wohnen, und dann muss man sich mit denen und ihrem leben beschäftigen und es/sie kennenlernen, und dann kann muss man einfach eine menge dinge erst einmal übersehen und hintanstellen.

was mir immer wieder auffällt ist eben, dass die augenscheinlichen unterschiede (wer isst was wie und womit) in den vordergrund gestellt werden, und die dinge, in denen die menschen sich überhaupt nicht unterscheiden (sorge für die familie, ausbildung, arbeit) erst gar nicht thematisiert werden.

und ja, da gibt es noch ganz viele dinge, und ganz viele andere geschichten.

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Liebe Frau K,
da muß ich Ihnen leider widersprechen: ich wurde in keiner meiner Schwiegerfamilien wirklich herzlich aufgenommen, von von aufgefangen keine Rede. Im Gegenteil, man hat von mir erwartet, daß ich quasi über Nacht meine eigene Vergangenheit begrabe und nur mehr für meinen (jeweiligen) Mann da bin. Mit mir geredet hat z.B. in Ägypten vorwiegend die kleine Schwester meines Mannes, meine Schwiegermutter hat höchstens irgendwelche Befehle gebellt, mein Schwiegervater hat mich ignoriert. In Ungarn war es ein klein wenig besser, meine ungarische Schwiegermutter war ein Schatz, aber die hab ich nur sehr selten gesehen und alle Freunde (auch alles Kynologen und Züchter) konnten Deutsch.
Ich war dort, was die Migranten hier sind - und nur dadurch besser, weil ich frei wieder nach Österreich konnte.

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