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Dienstag, 23. Mai 2006
to mi nje lecker!
kelef, 17:25h
sagte vor kurzem dominik, der zweisprachig (deutsch und polnisch) erzogene sohn von frau kelefs freundin m., und wollte damit sagen "das schmeckt mir nicht".
dominik ist fünfeinhalb, und eigentlich ist polnisch seine muttersprache. da er so wie seine mutter in österreich lebt, wird aber zu hause so gut wie immer deutsch gesprochen, ebenso natürlich im kindergarten. nur seine oma macht da oft eine ausnahme.
seine mutter bemüht sich, ihr deutsch zu perfektionieren, und entsprechend auch das ihres sohnes.
leider bringt der knabe wunderhold aus dem kindergarten dann immer wieder die derzeit modernen ausdrücke mit, die er dann so lange verwendet, bis auch seine mutter infiziert ist, und die oma sowieso gleich mit.
und dann entstehen sätze wie der obige. grausam.
lecker ist für frau kelef ja sowieso ein reizwort erster güte, und das hat eine lange geschichte.
frau kelefs mutter brachte oft mahlzeiten aus der bank in der sie arbeitete mit nach hause, oft unbekannte speisen, auf die frage "wie schmeckt das" kam dann die antwort "gut". himmel arsch und zwirn, was sollte man sich darunter vorstellen? süss, salzig, scharf, gemüsig, käsig, fleischig, vegetarisch, ...? die abneigung gegen "gut" erfuhr ihre steigerung, als sie die beschreibung präzisierte mit "aus der bank, aber guuuut!". dieses "aber guuut" hatte meist etwas damit zu tun, dass z.b. im kaiserschmarren vanille war, und noch heute führt eine ganz bestimmte betonung von "aber guuut", in welchem zusammenhang auch immer, dazu, dass frau kelef geschmack und geruch von vanille zu verspüren meint. pfui deibel, dabei mag sie gerade noch vanillekipferln und vanillepflanzen, und das war es dann mit der vanille. und vanille im kaiserschmarrn ist eine todsünde, ihrer meinung nach.
schon damals hatten frau kelef, ihr vater und ihr bruder (die reihenfolge dürfen sie sich aussuchen) allergische reaktionen. "wenn es dir schmeckt, heisst das nicht, dass es uns schmeckt. also bitte, sag wo das zeug herkokmmt, und was es ist, was schlechtes wirst du uns ja nicht auf den tisch tun!" - na ja, konnte man nicht so sicher sein, das kochrepertoire von frau kelefs mutter war, sagen wir einmal, nicht sehr gross. aber das nur nebstbei.
nun ward (verstehen sie dieses wort in ihren kreisen, ja? das heisst: wurde) frau kelef zu ihrem entsetzen vor einiger zeit schon der tatsache gewahr, dass im österreichischen sprachgebrauch "gut" immer öfter durch "lecker" ersetzt wird. in deutschland kann man ihrethalben lecker sagen, so oft man will, obwohl sätze wie "da hat mama leckeren kuchen gebacken, und dann haben wir lecker teezeit gemacht, das hat uns lecker geschmeckt" ja nicht wirklich von wortgewalt zeugen, und einen gewissen schauder des entsetzens über frau kelefs rücken jagen. aber soll sein.
aber wie klingt denn das, mit wiener dialekt noch dazu: "wir haben leckeren guglhupf gegesssen". und no na, grauslichen, schimmeligen, vertrockneten werden wir gegessen haben. "wir haben alles aufgegessen, das war sehr lecker". no na, wir haben den mist restlos hinuntergewürgt unter auferbietung allen mutes, obwohl es uns geschüttelt und gewürgt hat. "mutti macht lecker palatschinken" - was heisst das denn eigentlich? dass muttis palatschinken von exorbitant hoher qualität sind? dass sie dem kinde munden? dass palatschinken sehr beliebt sind? dass mutti beim palatschinkenmachen appetitlich aussieht? dass das kind sich auf das essen freut? in frau kelefs fall vielleicht auch noch, dass keine vanille drinnen ist (gehört ja sowieso nicht hinein, aber was weiss ein fremder in zeiten wie diesen). möglicherweise soll auch zum ausdruck gebracht werden, dass die palatschinken nicht aus irgendeiner fertigmischung hergestellt wurden; oder auch, dass vati beim anblick der palatschinkenmachenden mutti auf ideen für nach-dem-licht-ausmachen kommt ...
gibt es als beschreibung für ein nahrungsmittel oder gerichte nur mehr "lecker" oder "nicht lecker"? und wenn ja, woher kommt das?
nähern wir uns einer biblischen deine-rede-sei-ja-ja-und-nein-nein - sprache? gibt es bald nur mehr
in oder nicht in
cool oder nicht cool
angesagt oder nicht angesagt
lecker oder nicht lecker
und so weiter, je nach in-wort (und was ist eigentlich das deutsche gegenteil von in-wort? aus-wort oder raus-wort oder hinaus-wort oder draussen-wort ?) der saison?
sind hummer für eiweissallergiker einfach nicht lecker, ebenso wie versalzene torte und verbrannte schnitzel und verschimmeltes gemüse? während z.b. alko-pops, weil gerade in (oder was ist diesen monat das richtige wort?) lecker sind, ebenso wie döner und pizza? in einem jahr dafür ist döner nicht lecker, aber sushi?
o tempora, o mores.
frau kelef geht jetzt übrigens lecker essen in das leckere lokal an der ecke, sie wissen schon, wo es immer die leckeren menüs gibt, die so lecker schmecken, und den leckeren wein. neulich: leckeres risotto mit lecker geegrilltem fisch. hat das lecker geschmeckt.
ich präferier' (verstehen sie dieses wort ihren kreisen, ja? das heisst vorziehen, den vorzug geben) ja eher folgende formulierung:
ich geh jetzt in mein stammbeisl am eck, in dem mir das essen immer so gut schmeckt. sie wissen schon, wo es immer ausgesuchte menüs nach meinem geschmack gibt, und den jugoslawischen vranac. neulich hatten sie da bärlauchrisotto mit gegrillten, eingelegten tomaten und wiesenchampignons, und dazu auf dem lavagrill gebratene zanderfilets. mir läuft heute noch das wasser im mund zusammen beim gedanken daran.
oh, und fühlen sie sich durch die vielzitierten kreise nicht persönlich angesprochen, die meisten von ihnen jedenfalls. die, die es angeht, merken es aber wahrscheinlich sowieso nicht. die kreisen vermutlich, um sich selbst oder so.
dominik ist fünfeinhalb, und eigentlich ist polnisch seine muttersprache. da er so wie seine mutter in österreich lebt, wird aber zu hause so gut wie immer deutsch gesprochen, ebenso natürlich im kindergarten. nur seine oma macht da oft eine ausnahme.
seine mutter bemüht sich, ihr deutsch zu perfektionieren, und entsprechend auch das ihres sohnes.
leider bringt der knabe wunderhold aus dem kindergarten dann immer wieder die derzeit modernen ausdrücke mit, die er dann so lange verwendet, bis auch seine mutter infiziert ist, und die oma sowieso gleich mit.
und dann entstehen sätze wie der obige. grausam.
lecker ist für frau kelef ja sowieso ein reizwort erster güte, und das hat eine lange geschichte.
frau kelefs mutter brachte oft mahlzeiten aus der bank in der sie arbeitete mit nach hause, oft unbekannte speisen, auf die frage "wie schmeckt das" kam dann die antwort "gut". himmel arsch und zwirn, was sollte man sich darunter vorstellen? süss, salzig, scharf, gemüsig, käsig, fleischig, vegetarisch, ...? die abneigung gegen "gut" erfuhr ihre steigerung, als sie die beschreibung präzisierte mit "aus der bank, aber guuuut!". dieses "aber guuut" hatte meist etwas damit zu tun, dass z.b. im kaiserschmarren vanille war, und noch heute führt eine ganz bestimmte betonung von "aber guuut", in welchem zusammenhang auch immer, dazu, dass frau kelef geschmack und geruch von vanille zu verspüren meint. pfui deibel, dabei mag sie gerade noch vanillekipferln und vanillepflanzen, und das war es dann mit der vanille. und vanille im kaiserschmarrn ist eine todsünde, ihrer meinung nach.
schon damals hatten frau kelef, ihr vater und ihr bruder (die reihenfolge dürfen sie sich aussuchen) allergische reaktionen. "wenn es dir schmeckt, heisst das nicht, dass es uns schmeckt. also bitte, sag wo das zeug herkokmmt, und was es ist, was schlechtes wirst du uns ja nicht auf den tisch tun!" - na ja, konnte man nicht so sicher sein, das kochrepertoire von frau kelefs mutter war, sagen wir einmal, nicht sehr gross. aber das nur nebstbei.
nun ward (verstehen sie dieses wort in ihren kreisen, ja? das heisst: wurde) frau kelef zu ihrem entsetzen vor einiger zeit schon der tatsache gewahr, dass im österreichischen sprachgebrauch "gut" immer öfter durch "lecker" ersetzt wird. in deutschland kann man ihrethalben lecker sagen, so oft man will, obwohl sätze wie "da hat mama leckeren kuchen gebacken, und dann haben wir lecker teezeit gemacht, das hat uns lecker geschmeckt" ja nicht wirklich von wortgewalt zeugen, und einen gewissen schauder des entsetzens über frau kelefs rücken jagen. aber soll sein.
aber wie klingt denn das, mit wiener dialekt noch dazu: "wir haben leckeren guglhupf gegesssen". und no na, grauslichen, schimmeligen, vertrockneten werden wir gegessen haben. "wir haben alles aufgegessen, das war sehr lecker". no na, wir haben den mist restlos hinuntergewürgt unter auferbietung allen mutes, obwohl es uns geschüttelt und gewürgt hat. "mutti macht lecker palatschinken" - was heisst das denn eigentlich? dass muttis palatschinken von exorbitant hoher qualität sind? dass sie dem kinde munden? dass palatschinken sehr beliebt sind? dass mutti beim palatschinkenmachen appetitlich aussieht? dass das kind sich auf das essen freut? in frau kelefs fall vielleicht auch noch, dass keine vanille drinnen ist (gehört ja sowieso nicht hinein, aber was weiss ein fremder in zeiten wie diesen). möglicherweise soll auch zum ausdruck gebracht werden, dass die palatschinken nicht aus irgendeiner fertigmischung hergestellt wurden; oder auch, dass vati beim anblick der palatschinkenmachenden mutti auf ideen für nach-dem-licht-ausmachen kommt ...
gibt es als beschreibung für ein nahrungsmittel oder gerichte nur mehr "lecker" oder "nicht lecker"? und wenn ja, woher kommt das?
nähern wir uns einer biblischen deine-rede-sei-ja-ja-und-nein-nein - sprache? gibt es bald nur mehr
in oder nicht in
cool oder nicht cool
angesagt oder nicht angesagt
lecker oder nicht lecker
und so weiter, je nach in-wort (und was ist eigentlich das deutsche gegenteil von in-wort? aus-wort oder raus-wort oder hinaus-wort oder draussen-wort ?) der saison?
sind hummer für eiweissallergiker einfach nicht lecker, ebenso wie versalzene torte und verbrannte schnitzel und verschimmeltes gemüse? während z.b. alko-pops, weil gerade in (oder was ist diesen monat das richtige wort?) lecker sind, ebenso wie döner und pizza? in einem jahr dafür ist döner nicht lecker, aber sushi?
o tempora, o mores.
frau kelef geht jetzt übrigens lecker essen in das leckere lokal an der ecke, sie wissen schon, wo es immer die leckeren menüs gibt, die so lecker schmecken, und den leckeren wein. neulich: leckeres risotto mit lecker geegrilltem fisch. hat das lecker geschmeckt.
ich präferier' (verstehen sie dieses wort ihren kreisen, ja? das heisst vorziehen, den vorzug geben) ja eher folgende formulierung:
ich geh jetzt in mein stammbeisl am eck, in dem mir das essen immer so gut schmeckt. sie wissen schon, wo es immer ausgesuchte menüs nach meinem geschmack gibt, und den jugoslawischen vranac. neulich hatten sie da bärlauchrisotto mit gegrillten, eingelegten tomaten und wiesenchampignons, und dazu auf dem lavagrill gebratene zanderfilets. mir läuft heute noch das wasser im mund zusammen beim gedanken daran.
oh, und fühlen sie sich durch die vielzitierten kreise nicht persönlich angesprochen, die meisten von ihnen jedenfalls. die, die es angeht, merken es aber wahrscheinlich sowieso nicht. die kreisen vermutlich, um sich selbst oder so.
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Dienstag, 16. Mai 2006
(k)akademikerschreibe
kelef, 14:07h
irgendwer hat doch irgendwann schon einmal gesagt, dass die automatische silbentrennung nicht immer wirklich vernünftig eingesetzt werden kann.
heute boten sich daher ein paar lacher der besonderen art. am anfang der zeile jeweils das merkwürdige irgendwas, und am ende der vorherigen (sehr langen) zeile, teilweise auch in einer anderen spalte, dann der anfangsteil (hier in klammer).
dablagerungen (Amyloi)
opa (Levod)
tagsfähigkeiten (All)
meintervalle (Einnah)
rung (Nah)
gel (Man)
den (wer)
pereigene (kör)
enten (Pati)
mg (100)
also in meinen kreisen macht man so was nicht. aber da kenn ich mich wahrscheinlich nicht aus, weil mir das keiner erklärt hat.
heute boten sich daher ein paar lacher der besonderen art. am anfang der zeile jeweils das merkwürdige irgendwas, und am ende der vorherigen (sehr langen) zeile, teilweise auch in einer anderen spalte, dann der anfangsteil (hier in klammer).
dablagerungen (Amyloi)
opa (Levod)
tagsfähigkeiten (All)
meintervalle (Einnah)
rung (Nah)
gel (Man)
den (wer)
pereigene (kör)
enten (Pati)
mg (100)
also in meinen kreisen macht man so was nicht. aber da kenn ich mich wahrscheinlich nicht aus, weil mir das keiner erklärt hat.
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Samstag, 13. Mai 2006
der mündige patient
kelef, 02:54h
ist ja ein lieblingsthema von frau kelef, sozusagen, ein ganz besonderes auch noch. dieser ausdruck geistert seit bald 20 jahren durch das gesundheitswesen, und immer noch erzeugt er gänsehaut bei vielen menschen. auch frau tante dockta pepa alteriert sich immer wieder darüber.
jetzt fragt frau kelef aber seit langem, sich selbst und andere, ob man ihr denn diesen ausdruck erklären könne. natürlich fällt kennern der person der lieben frau kelef dazu sofort ein, dass ein ehemaliger geschäftsführer einer firma, für die frau kelef arbeitete, einmal sagte (und zwar als ernstgemeinte warnung, mitten in einer riesenbesprechung): passen sie bloss auf. wenn frau kelef sagt: "und kann man mir das bitte erklären" dann gibt man ihr am besten ganz schnell recht und verlässt mindestens ebenso schnell den raum. der mann kannte frau kelef sehr gut.
jedenfalls: der mündige patient. was soll das sein? einer, der fünf verschiedene arztmeinungen einholt und dann selber entscheidet, ob er jetzt ein künstliches hüftgelenk braucht oder nicht? einer, der selber weiss wie er seinen bluthochdruck oder seinen blutzucker medikamentös richtig einstellen kann? einer, der - wenn auch vielleicht sehr mühsam - begreift, dass occlusivverbände mit cortisonhältigen salben nicht das wirkliche mittel der wahl zur entfernung von hühneraugen sind? einer, der genau weiss welches antibiotikum er bei welcher infektion braucht? oder die frau, die weiss wann eine gburt eingeleitet werden muss oder wann doch ein kaiserschnitt angebracht ist? oder doch eher derjenige, der bei metastasierenden tumoren seine chemotherapie selber wählen kann? derjenige, der seine röntgenbilder (deren erstellung er natürlich selbst anordnet) auch gleich selber interpretiert?
und noch etwas: behördlicherseits wird grosser wert darauf gelegt, dass fachinformationen für ärzte und apotheker aber auch jeden furz enthalten, der einem nur einfallen kann. was ja gut ist. der mündige patient jedoch hat im normalfall keinen zugriff auf diese fachinformationen, sogar wenn er sie verstehen könnte. für den wird eine kurzfassung, der beipackzettel, erstellt, tausendmal bequatscht von fachleuten und behördlich genehmigt und so weiter und so fort. hat die fachinformation aber z.b. 10 seiten, hat der beipackzettel nur 3 seiten, man könnte auch sagen ein viertel der information.
diese gesetzlich vorgeschriebenen beipackzettel (heute gebrauchsinformationen genannt) verstehen 99 von 100 patienten aber sowieso nicht. sicherheitshalber haben eu und emea und noch ein paar kluge vereine jetzt auch noch ein vereinheitlichtes wörterbuch, meddra genannt, ins leben gerufen. da wissen dann pharmaindustrie und ärzteschaft, dass es beispielsweise (aber nur für patienten) "erkrankungen des mittelfellraumes" gibt, und mit der bezeichnung "ameisenlaufen" ist der patient sicherlich auch sehr gut informiert über eine etwaige nebenwirkung.
was soll denn der unfug? ohne jemandem nahetreten zu wollen: frau kelef kennt sich wirlich ganz gut aus. trotzdem: wenn sie krank ist, geht sie zum arzt. sie hat nämlich einen guten, vertrauenswürdigen hausarzt der guten alten schule, seit bald dreissig jahren. der führt seit anbeginn eine ordentliche kartei, hat akribisch genaue aufzeichnungen quasi über jeden flohbiss, eine anzahl von vertrauenswürdigen fachärzten, bei denen man bei bedarf sofort einen termin bekommt, und so ist das gut und so soll es sein. das ist, mit verlaub, mündigkeit genug für einen patienten.
wie soll denn jemand, der bäcker, vekäufer, wirtschaftsfachmann, mechaniker, landschaftsarchitekt oder marketingfachmann ist, entscheiden können welche behandlung oder welches medikament richtig ist? müsste patient da nicht erst medizin studieren, um mitreden zu können? oder redet patient mit und weiss gar nicht, wovon geredet wird? woher soll denn bitte der geflügelzüchter oder der geschäftsführer einer lebensmittelkette wissen, welche konsequenz welche behandlung haben kann und wird?
oder auch umgekehrt: redet der mediziner dem architekten drein, wenn es um die berechnung des fundamentes eines zu bauenden hauses geht? nein. der medizinmann sagt zum hausbaumann: bau mir ein haus, das nicht zusammenfällt, und nicht einstürzt. wie, musst du selber wissen. und medizinmänner sind doch im allgemeinen ebenso über sieben jahre alt wie der "mündige patient".
aber wahrscheinlich ist die medizinkunst einfacher zu durchschauen als das planen und berechnen und bauen eines fundamentes für ein haus.
frau kelef sind auch wenige baumeister bekannt, die dem automechaniker sagen, wie er ein auto reparieren soll. ebensowenig kennt sie schuster, die dem bäcker erklären wie er brot oder kuchen backen soll. und die besten köche der welt sitzen im flugzeug auf ihren sitzen, und geben dem piloten keine ratschläge wie er den landefanflug konzipieren soll, während die piloten sich im allgemeinen sehr selten in die marketingstrategien der flughäfen einmischen, und auch die frisöre den schneidern nicht allzu oft erklären, wie man denn genau einen reissverschluss einnäht.
diese mündigkeit des patienten erinnert so fatal an die sache mit der emanzipation. viele frauen wollen zwar die rechte, nicht aber die pflichten, und sind somit die grössten feinde ihrer selbst.
aber wahrscheinlich hat das der frau kelef wieder einmal keiner erklärt. irgendwelche freiwillige hier?
der ideale bepackzettel schaut in frau kelefs augen übrigens so aus: ein vordruck: .... stück am tag, wenn's dich juckt, geh zum bader. kann universell eingesetzt werden, einheitlich für jedes präparat, muss man nur mehr die anzahl einsetzen. würde die medikamentenkosten drastisch senken, und damit das defizit im gesundheitswesen verkleinern. der spruch wurde zwar schon fast zur legende, aber unsere behörde konnte sich der idee offiziell noch nicht anschliessen (obwohl es schon eine kleine fangemeinde gibt).
jetzt fragt frau kelef aber seit langem, sich selbst und andere, ob man ihr denn diesen ausdruck erklären könne. natürlich fällt kennern der person der lieben frau kelef dazu sofort ein, dass ein ehemaliger geschäftsführer einer firma, für die frau kelef arbeitete, einmal sagte (und zwar als ernstgemeinte warnung, mitten in einer riesenbesprechung): passen sie bloss auf. wenn frau kelef sagt: "und kann man mir das bitte erklären" dann gibt man ihr am besten ganz schnell recht und verlässt mindestens ebenso schnell den raum. der mann kannte frau kelef sehr gut.
jedenfalls: der mündige patient. was soll das sein? einer, der fünf verschiedene arztmeinungen einholt und dann selber entscheidet, ob er jetzt ein künstliches hüftgelenk braucht oder nicht? einer, der selber weiss wie er seinen bluthochdruck oder seinen blutzucker medikamentös richtig einstellen kann? einer, der - wenn auch vielleicht sehr mühsam - begreift, dass occlusivverbände mit cortisonhältigen salben nicht das wirkliche mittel der wahl zur entfernung von hühneraugen sind? einer, der genau weiss welches antibiotikum er bei welcher infektion braucht? oder die frau, die weiss wann eine gburt eingeleitet werden muss oder wann doch ein kaiserschnitt angebracht ist? oder doch eher derjenige, der bei metastasierenden tumoren seine chemotherapie selber wählen kann? derjenige, der seine röntgenbilder (deren erstellung er natürlich selbst anordnet) auch gleich selber interpretiert?
und noch etwas: behördlicherseits wird grosser wert darauf gelegt, dass fachinformationen für ärzte und apotheker aber auch jeden furz enthalten, der einem nur einfallen kann. was ja gut ist. der mündige patient jedoch hat im normalfall keinen zugriff auf diese fachinformationen, sogar wenn er sie verstehen könnte. für den wird eine kurzfassung, der beipackzettel, erstellt, tausendmal bequatscht von fachleuten und behördlich genehmigt und so weiter und so fort. hat die fachinformation aber z.b. 10 seiten, hat der beipackzettel nur 3 seiten, man könnte auch sagen ein viertel der information.
diese gesetzlich vorgeschriebenen beipackzettel (heute gebrauchsinformationen genannt) verstehen 99 von 100 patienten aber sowieso nicht. sicherheitshalber haben eu und emea und noch ein paar kluge vereine jetzt auch noch ein vereinheitlichtes wörterbuch, meddra genannt, ins leben gerufen. da wissen dann pharmaindustrie und ärzteschaft, dass es beispielsweise (aber nur für patienten) "erkrankungen des mittelfellraumes" gibt, und mit der bezeichnung "ameisenlaufen" ist der patient sicherlich auch sehr gut informiert über eine etwaige nebenwirkung.
was soll denn der unfug? ohne jemandem nahetreten zu wollen: frau kelef kennt sich wirlich ganz gut aus. trotzdem: wenn sie krank ist, geht sie zum arzt. sie hat nämlich einen guten, vertrauenswürdigen hausarzt der guten alten schule, seit bald dreissig jahren. der führt seit anbeginn eine ordentliche kartei, hat akribisch genaue aufzeichnungen quasi über jeden flohbiss, eine anzahl von vertrauenswürdigen fachärzten, bei denen man bei bedarf sofort einen termin bekommt, und so ist das gut und so soll es sein. das ist, mit verlaub, mündigkeit genug für einen patienten.
wie soll denn jemand, der bäcker, vekäufer, wirtschaftsfachmann, mechaniker, landschaftsarchitekt oder marketingfachmann ist, entscheiden können welche behandlung oder welches medikament richtig ist? müsste patient da nicht erst medizin studieren, um mitreden zu können? oder redet patient mit und weiss gar nicht, wovon geredet wird? woher soll denn bitte der geflügelzüchter oder der geschäftsführer einer lebensmittelkette wissen, welche konsequenz welche behandlung haben kann und wird?
oder auch umgekehrt: redet der mediziner dem architekten drein, wenn es um die berechnung des fundamentes eines zu bauenden hauses geht? nein. der medizinmann sagt zum hausbaumann: bau mir ein haus, das nicht zusammenfällt, und nicht einstürzt. wie, musst du selber wissen. und medizinmänner sind doch im allgemeinen ebenso über sieben jahre alt wie der "mündige patient".
aber wahrscheinlich ist die medizinkunst einfacher zu durchschauen als das planen und berechnen und bauen eines fundamentes für ein haus.
frau kelef sind auch wenige baumeister bekannt, die dem automechaniker sagen, wie er ein auto reparieren soll. ebensowenig kennt sie schuster, die dem bäcker erklären wie er brot oder kuchen backen soll. und die besten köche der welt sitzen im flugzeug auf ihren sitzen, und geben dem piloten keine ratschläge wie er den landefanflug konzipieren soll, während die piloten sich im allgemeinen sehr selten in die marketingstrategien der flughäfen einmischen, und auch die frisöre den schneidern nicht allzu oft erklären, wie man denn genau einen reissverschluss einnäht.
diese mündigkeit des patienten erinnert so fatal an die sache mit der emanzipation. viele frauen wollen zwar die rechte, nicht aber die pflichten, und sind somit die grössten feinde ihrer selbst.
aber wahrscheinlich hat das der frau kelef wieder einmal keiner erklärt. irgendwelche freiwillige hier?
der ideale bepackzettel schaut in frau kelefs augen übrigens so aus: ein vordruck: .... stück am tag, wenn's dich juckt, geh zum bader. kann universell eingesetzt werden, einheitlich für jedes präparat, muss man nur mehr die anzahl einsetzen. würde die medikamentenkosten drastisch senken, und damit das defizit im gesundheitswesen verkleinern. der spruch wurde zwar schon fast zur legende, aber unsere behörde konnte sich der idee offiziell noch nicht anschliessen (obwohl es schon eine kleine fangemeinde gibt).
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