Dienstag, 6. November 2012
hundegerechte ernährung
frau pixy - die sich ja jetzt schon als echte wienerin bezeichnen kann, nach mehr als zwei jahren - geht gerne in restaurants.

konzeptionell ist es ihr powidl, wurscht und egal in welches, hauptsache: gemma essen. weil sie - wie vor ihr schon frau hunt - immer, wenn frau kelef mit dem essen fertig ist, was unter den tisch bekommt. vom teller. wenig, aber hund freut sich.

während aber frau hunt eine von der wählerischen sorte war, und ausser fleisch am liebsten fleisch frass, frisches rohes rindsfaschiertes besonders, gerne auch fisch und meerestiere, alles andere nur zu hause wenn es keiner gesehen hat und nur und ausschliesslich mit gutem kernöl drüber, da frisst frau pixy alles. und unter alles darf man verstehen: alles.

neulich, frau kelef ist nach asiatisch und so dreht man eine runde und kehrt beim - sie erraten es - asiaten ein. frau pixy kennt das schon: sie passt auf die tasche und die jacke und was auch immer noch auf, dazu wird sie mit der langen leine an die sachen, auf die sie aufpassen muss, und an einen sessel oder was ähnliches angehängt. dort sitzt sie dann mit vor hunger (zu hause kriegt sie ja nix) herausquellenden augen und demonstrativ hingehaltener kranker hand und passt auf. erstens auf das, worauf sie aufpassen soll, und zweitens auf frau kelef, die ja gestohlen werden/nicht mehr zurückfinden könnte, noch schlimmer: sie könnte keinen vollen teller mitbringen.

frau pixy hat gelernt dass sie warten muss bis frau kelef gegessen hat, und gelehrig wie sie in derart lebensnotwendigen situationen ist, da hört sie genau wenn frau kelef die reste auf dem teller kleinschneidet damit sie dieselben dann in kleinen häppchen unter den tisch reichen kann. dan springt sie ein wenig vor freude und inhaliert mit begeisterung alles, was sie kriegt.

so auch diesmal. besonders beliebt sind bei frau pixy - wie auch anno dunnemals schon bei frau hunt - die schwänze der gebackenen garnelen, die mensch ja sowieso nicht isst, zwischen hundezähnen aber ein gar liebliches geräusch erzeugen: knusper-knisper-knasper. hühnerflügelknochen waren auch noch da, und ein entenkrusperl oder zwei, und so sass frau pixy unter dem tisch und mampfte fröhlich in sich hinein.

wie immer kriegte sie auch noch einen bissen gemüse, diesmal: champignon, in "normalen" gasthäusern nimmt sie ja eher die salatgarnitur und ein wenig paradeiser, gerne auch krautsalat, aber alles nur mit ein wenig saft oder marinade. frau kelef kann sich ja dann die hände waschen.

am nachbartisch sitzen ein paar leute von der blauen fraktion, jung und dynamisch und eben blau, also nicht nur sondern auch, und schauen. und unterhalten sich - als ob frau pixy und frau kelef gar nicht da wären, über die leute die mit so einem gesicht auf die strasse gehen, und über solche hunde, die dann auch noch, und überhaupt. und dann füttert die den hund auch noch vom teller.

die bedienung kennt das schon von uns, und weiss dass frau pixy eben nur das bekommt was mit sicherheit kein mensch isst, knochen und kruspeln und garnelenschwanzflossen, die grinsen immer über die sauberen teller. frau kelef ist ja sowieso eine die lieber fünfmal um eine kleine portion zum buffett geht und aufisst anstatt sich den teller vollzufüllen und dann die hälfte stehenzulassen, aber das nur nebenbei.

frau kelef und frau pixy tun, als ob sie nix gehört hätten. die blaue fraktion kann das so nicht stehen lassen, weil ja auch schon blau, und muss nachfragen kommen. genau in dem moment, in dem frau kelef die eine champignonscheibe an frau pixy hinunterreicht.

"sie wollen mir doch nicht erzählen, dass der hund das frisst!"

"nein."

"wie bitte?"

"ich will ihnen gar nix erzählen."

"warum geben sie dem hund dann das schwammerl?"

"die mag das."

"das können sie mir nicht erzählen!"

"will ich auch gar nicht."

"die hat das wirklich gefressen."

"ich weiss."

"jetzt erzählen sie mir nur nicht, dass der hund gemüse frisst."

"nein."

"was, nein?"

"ich erzähl' ihnen gar nichts."

"na, frisst der hund jetzt gemüse?"

"ja."

"glaub ich nicht."

"macht nix."

"wieso?"

"weil es mir, ehrlich gesagt, egal ist was sie glauben."

"warum?"

"aus prinzip."

y-chromosomenträger steht vor frau kelef und schaut, der rest der gesellschaft vom nachbartisch schaut auch. man wartet.

frau kelef tät' jetzt gerne zahlen und gehen, aber der wissbegierige steht im weg und so sieht die bedienung das winken von frau kelef nicht.

frau kelef wartet ein wenig, dann fragt sie:

"kann ich ihnen noch irgendwie behilflich sein?"

"äh ... aber broccoli frisst der hund keine!"

"doch."

"glaub ich nicht. einen ganzen broccoli?"

"nein. nur eine kleine portion. und die strünke spuckt sie aus, wenn sie nicht weich genug sind."

"glaub ich nicht."

"macht nix. darf ich jetzt bitte ...!"

"warten sie einen moment!" (ohne bitte, btw.)

frau kelef ist neugierig, frau pixy auch. geht der y-chromosomenträger doch tatsächlich zum buffett, nimmt einen kleinen teller, tut eine porton broccoli drauf und bringt sie. schaut mich an, und sagt:

"zeigen sie mir das!"

frau kelef zeigt ihm geistig auch was, nämlich den mittelfinger, meint aber höflich, wie das ihre art zu sein pflegt:

"ich weiss ja, was mein hund frisst. wenn sie das nicht glauben, dann geben sie ihr den broccoli selber."

"und wenn der mich beisst?"

"wenn DIE sie beisst, dann blutet das und tut weh. aber sie ist gegen alles geimpft."

y-chromosomenträger schaut leicht verständnislos, nimmt dann ein broccoli-stück am strunk und reicht es frau pixy vorsichtig hin. die beschnnofelt es, schaut mich fragend an, nimmt es dann - wie sie gelernt hat: ganz lieb - und mümmelt den broccoli genüsslich in sich hinein. der strunk war - wie vorauszusehen - nicht weich genug und so spuckte sie ihn sorgsam aus.

das gesicht des y-chromosomenträgers und seiner genossen war, gelinde gesagt, filmreif.

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