Freitag, 15. Jänner 2010
es kann der frömmste nicht in frieden ruhen
wenn es der frau mit den jack russel - weibern nicht gefällt.

vorgestern endlich konnte sie wieder gesichtet werden, mehrfaches klingeln an der gegensprechanlage führte ja trotz beleuchteter wohnung zu keiner reaktion. ich nehme an, mit dem langen mantel und ohne hund hat sie mich von hinten nicht erkannt, aber niederträchtigerweise höre ich ja noch recht gut, und das hundegetrippel hat sie verraten.

ich also auf dem absatz kehrtum, und bevor sie flüchten konnte angesprochen und erklärt, frau hunt hätte ihren letzten tierarzttermin am freitag, ich käme dann anschliessend mit der rechnung vorbei.

jack russel-frau (jrf): ja nein, ich habe - also mein mann hat - mit einer tierärztin im waldviertel gesprochen, und die hat gesagt dass cortison, wenn das so lange gegeben wird ...

ich: eine tierärztin im waldviertel? dort waren wir gar nicht. und was heisst so lange cortison? ein paar injektionen, das ist doch state of the art!

jrf: aber die tierärztin im waldviertel hat gesagt, und ein anderer tierarzt auch, nach so einem kleinen biss da braucht man doch nicht ein halbes jahr zum tierarzt rennen!

ich: wie kommen die auf ein halbes jahr?

jrf: na, das war doch vor weihnachten!

ich: ja, am 9. dezember, das sind jetzt vier resp. fünf wochen.

jrf: und die tierärztin im waldviertel hat gesagt, eine antibiotikaspritze reicht, das kostet nur ein paar euro bei ihr, und mehr macht man da nicht, der hund ist doch sowieso schon alt, und hat schon dauernd cortison bekommen.

ich: also erstens hat die tierärztin den hund nicht gesehen, und kennt ihn auch gar nicht, und was interessiert mich was jemand, der mich und den hund nicht kennt im waldviertel für was auch immer verlangt? und cortison hat meine frau hunt sehr wohl schon einmal bekommen, hab ich ihnen ja erzählt, nach einem anaphylaktischen schock auf prolaktin kurz vor der läufigkeit, im jahre 1996, was hat das mit der jetzigen situation zu tun?

jrf: mein mann hat mit einem anwalt gesprochen.

ich: fein, das mach ich öfter, ich kenn mehrere. und was hat das jetzt mit der situation zu tun?

jrf: der anwalt hat gesagt, nach einem biss kann es zu keinem peitschenschlagsyndrom kommen.

ich: ist der anwalt veterinär?

jrf: nein, anwalt.

ich: ah ja, na dann. wie dem auch sei, ich hab die zores und den ärger gehabt, bin sonstwieoft zum tierarzt gedackelt, frau hunt hatte schmerzen und so weiter, alles über die feiertage zudem, und jetzt hätte ich gerne meine kohle wieder, das sind ja immerhin ein paar hundert euro.

jrf: das wird die versicherung nicht zahlen.

ich: das interessiert mich jetzt nicht sonderlich, mein interesse gilt grundsätzlich ausschliesslich der tatsache, dass ich das jetzt einmal bezahlt habe und gerne meine kohle wieder zurückhätte, letztlich hat ihr hund meinen gebissen, und nicht umgekehrt, also bitte, am freitag komm' ich mit der rechnung.

jrf: so geht das nicht, über die summe die die tierärztin im waldviertel für ein antibiotikum verrechnet können wir reden, aber ein halbes jahr behandlung blablabla ...

ich: wie sie wollen, dann geh ich zur polizei, mach die anzeige damit mein anwalt entsprechend handeln kann und gut.

jrf: anzeige brauch ich keine.

ich: kann ich mir denken, interessiert mich aber eigentlich gerade auch nicht mehr sonderlich.

jrf: und überhaupt sind die hunde in ungarn angemeldet und versichert und gechipt, die ungarische versicherung zahlt da sicher nicht.

ich: haben sie dort schon gefragt?

jrf: nein, ich war noch nicht dort.

ich: na ja, zahlen sie halt derweilen selber und schicken sie dann der versicherung die rechnung und die zahlungsbestätigung.

jrf: äh ...

kommt - gott der herr ist ja manchmal sehr gerecht - gerade meine freundin, mit der ich verabredet war, um die ecke, weil die lustige szene spielte sich wieder vor dem wirtshaus ab, an dem das debakel seinen anfang genommen hatte.

ich: und meine freundin hier, die ist erstens gebürtige ungarin, die kann ihnen das gerne auch übersetzen.

jrf: ich hab in ungarn ein paar jahre lang gelebt, ich kann ein wenig ungarisch.

ich: inclusive der fachtermini? und das alles dann schriftlich für einen anwalt übersetzen?

freundin: oh, mach ich gerne, kein problem.

jrf: 'schnappatmung an' also - und ich weiss ja nicht ... und sowieso muss ich mit meinem mann sprechen was man da ...

ich: jetzt hören sie einmal, ich komm damals aus dem lokal hier heraus, ihr hund beisst meinen in die lippe, zerrt ihr den hals lang, dann holen sie rat ein bei einer tierärztin aus dem waldviertel die weder den hund kennt noch die situation, und schon gar nicht den hund jemals gesehen geschweige denn untersucht hat, dann wollen sie ihrer haushaltsversicherung eine räubergeschichte erzählen von ich war mit meinem hund bei ihnen zu besuch im nachbarhaus obwohl ich weiss dass sie drei hunde haben, und dann sind ihre hunde eigentlich mit der haushaltsversicherung in ungarn mitversichert, und ein anwalt stellt medizinische diagnosen zu möglichen zervikalsyndromen als folgen einer halslangziehung bei alten hunden, und dann meinen sie noch mein hund sei sowieso schon alt, und anzeige brauchen sie keine, und müssen das immer alles erst mit ihrem mann besprechen?

jrf: ja ...

ich: danke, sie hören von mir.

freundin: grinst.

alle ab in verschiedene richtungen.

und frau kelef machte sich flugs notizen, damit ich ja nichts vergessen kann von den gar nützlichen ausführungen der jrf, und damt alle anderen auch was davon haben.

trampel, elendiger. und ich frage mich ernsthaft, wieso ich schon wieder so freundlich und rücksichtsvoll war und nicht gleich die polizei gerufen habe. geh ich halt heute hin, und bespreche einmal das weitere prozedere. montag dann anwalt. es sei denn, ich krieg heute abend die kohle, von wem auch immer. nehm ich sogar vom mann, wenn der von der sache überhaupt was weiss.

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Mittwoch, 6. Jänner 2010
fasan, gebraten,
eine delikatesse, ich kann ihnen sagen. grundsätzlich ist ja nicht viel dran an so einem vieh, aber nach dem motto lieber weniger und gut als mehr und weniger gut: braten sie sich doch mal so einen vogel.

wie es geht, hat für den heutigen tag bollis kitchen hervorragend in wort und bild festgehalten.

und weil ich es frau creezy versprochen haben, erzähle ich ihnen gerne wie es anders auch geht.

es war vor vielen, vielen jahren, das töchterchen war noch ein sehr kleines welches, und ich arbeitete bei dieser fabrick, die da kunscht und künschtler (und solche die sich dazu zählen wollten) vermittelte.

da lernte man viele leute kennen. solche und andere, sagen wir einmal. unter anderem auch den mann mit dem wild- und geflügelgeschäft, der eine frau geheiratet hatte die ihren eltern davongelaufen war und einen scheich geheiratet hatte (also vorher, in erster ehe, wenn das überhaupt eine gewesen war), und deren eltern die dann aus dem fernen orient wieder nach österreich freigekauft oder was auch immer hatten - anno dunnemals vor vierzig oder so jahren war das noch eine ziemliche heldentat, und ohne das beherzte eingreifen der eltern weiss man nicht, was aus der dummen pute geworden wäre, aber das nur am rande.

nun, die frau, wieder in österreich, wurde erwachsen und eine gute geschäftsfrau, frau und mutter, sie sah phantastisch aus und konnte jeden um den finger wickeln. gemeinsam mit ihrem mann betrieb sie unter anderem auch die gastronomische versorgung von volksfesten, messen, grossheurigen, auch caterings wurden übernommen. immer hervorragende ware, passte alles.

allerdings ist es so, dass auf derlei marktfierantischen veranstaltungen eine etwas, wie soll ich sagen, überdeutliche sprache an der tagesordnung liegt, weil man sonst nicht verstanden wird. ich lernte das quasi als fremdsprache, konnte mich aber bald gut verständigen.

nur ihr mann, der andy, der trieb es mir dann doch manchmal zu weit. und so teilte ich ihm - im einverständnis mit seiner frau - mit, wenn er noch einmal derartig über die stränge hauen würde, verbal, dann würde ich in die kühlräume seines geschäftes eindringen und strafhalber zur selbstbedienung schreiten. dies ward mit handschlag besiegelt.

es kam, wie es kommen mussten, und ich fuhr in das geschäft und holte mir zwei possierliche, bereits sorgsam in ein speckhemd gewickelte fasanendamen. hach, was freute ich mich, und was freute sich das kind, denn die mochte sowas damals schon gerne, und dann lud ich einen mann ein dem ich noch ein essen schuldig war. das sollte ein fest werden!

zur gleichen zeit gab es auch schon, recht neu, die bratfolie eines grosskonzerns, für den ich jahrzehnte später in einer ganz anderen branche arbeiten sollte. der küchenchef hans hofer führte die immer wieder vor, und so bekam ich auch stets eine entsprechende anzahl von probepackungen, ad usum proprium.

nun, ich eilte nach hause, bereitete die beilagen vor, schnippelte rotkraut, kochte kastanien und erdäpfel, machte erdäpfelteig für handgewuzelte nudeln die dann in schweineschmalz anzubraten waren kurz vor dem servieren, öffnete das glas mit den preiselbeeren, quetschte ein paar orangen den saft aus dem leib, vorbereitete bratäpfel, öffnete den rotwein (von einer weinverkostung aus der thermenregion südlich wiens, ein ausgesuchtes tröpferl), und packte so nebenbei die fasanendamen in die bratfolie. ich hatte das schon x-mal gemacht, auch auf der bühne vor publikum unter zeitnot und während mir tausend leute interessiert auf die finger starrten, no problem.

und so kochte und brutzelte das alles lieblich vor sich hin, und ich freute mich und das kind freute sich und der gast sollte bald kommen.

das war übrigens die zeit, da strohlfliesen als bodenbelag sehr beliebt waren. sie ahnen, was da kommt?

nein, können sie gar nicht. denn es begab sich, dass die folie riss. im bratrohr. im bratrohr des gasherdes in der küche, die mit strohfliesen ausgelegt war. mit einem dreijährigen kind, das interessiert ob des knalls (denn sie fürchtete sich nicht ...) in die küche kam und frug, ob sie sehen könne ...

zu diesem zeitpunkt stand das speckhemd der viecher schon in flammen. diese flammen schlugen lodernd hinten oben aus dem herd heraus, knapp neben einer steckdose aus der ein kabel hing an dem der mixer hing, und das brennende fett tropfte unten aus dem herd auf den fussboden, der mit strofliesen belegt war.

ich kann ihnen sagen, ich hab mich fast ange... gashahn zugedreht, tür auf, kind zur nachbarin geschubst, laut gebrüllt, badetücher und handtücher nassgemacht und die fettflammen erstickt. dabei ein paar tiefe brandwunden zugelegt, diese aber stressbedingt gar nicht bemerkt, weil wer wirklich stress hat ja auch keine schmerzen fühlt.

der gestank war unbeschreiblich, der rauch und die fettflecken allüberall auch. die bade- und handtücher waren hinüber, die kochenden flüssigkeiten der beilagenbereitungen hatte ich, ebenso wie den offenen rotwein, zum löschen verwendet. zusammen mit dem orangensaft: stellen sie sich das lieber nicht vor.

und als das feuer gelöscht war, erschien der mann der geladen war mit einem wunderschönen blumenstrauss, ich war eigentlich bekannt für gute küche, und er blickte um sich und sagte kein einziges wort sondern nahm mich in den arm und ich begann haltlos zu schluchzen.

die firma hatte eine fehlcharge versehentlich als muster verpackt, daher riss die chose.

die strohfliesen riss ich aus mehreren gründen am nächsten tag heraus, seither habe ich in der küche nur mehr unbrennbare bodenbeläge.

und die fasanendamen, werden sie fragen? sie können sich gar nicht vorstellen, wie so eine bis auf das verkohlte gerippe weggebratene fasanin aussieht. das fleisch war sowas von verbrannt, das fiel in kohlestücken von den knochen.

leider hatte ich damals keinen photoapparat.

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Dienstag, 5. Jänner 2010
mitleid in grenzen
aber vielleicht hab ich das ja auch schon wieder nicht verstanden, weil es mir keiner erklärt hat.

kommt einer mit einer pistole in ein geschäft, schreit "überfall, geld her", und der geschäftsinhaber nimmt die eigene pistole und schiesst. with fatal outcome, wie es im englischen so schön heisst, oder auch zu deutsch: räuber tot.

und dann schaut man sich so die nachrichten an, und schmökert ein wenig in den zeitungen, und hat doch tatsächlich das gefühl es werde impliziert der räuber sei der arme und der geschäftsinhaber der böse.

jetzt, verstehen sie mich bitte nicht falsch. aber wenn - gerade wie in den zitierten fällen - der geschäftsinhaber schon einmal überfallen oder ausgeraubt wurde, oder das geschäft aufgebrochen, und von der polizie hat er die auskunft bekommen, das passiere nun einmal, und man werde den räuber wohl nicht erwischen, oder wenn, dann quasi nur durch zufall, dann wundert es mich nicht wenn der geschäftsinhaber beim nächsten mal selber schiesst.

und dass der räuber nur eine imitation und keine echte pistole hatte, ist natürlich dem geschäftsinhaber erschwerend zur last zu legen, quasi.

ich meine, irgendwie, wie soll ich sagen, vielleicht hab ich ja das wirklich nicht verstanden, oder mir fehlt irgendwie das mitleid-gen, was ich ja auch nicht glauben kann, aber: wenn man einfach NICHT mit einer pistole in ein geschäft geht und NICHT "überfall, geld her" schreit, dann gibt man dem geschäftsinhaber doch eigentlich keinen grund, einem ein loch in die figur zu schiessen, oder?

und es soll ja auch schon vorgekommen sein, dass der geschäftsinhaber dem räuber alles gegeben hat, und dann bekam er trotzdem noch eine über das haupt, und hatte dann auch noch die zores mit befragungen und presse und polizei und versicherung, zusätzlich zu dem kopfweh das er sowieso schon hatte.

umgekehrt befällt mich ein ähnliches gefühl ja aber auch bei schiessenden polizisten, mit verlaub. da fuchtelt einer im finsteren mit einer pistole herum und droht zu schiessen, und der polizist ist dann schneller und der fuchtler hat ein loch in der figur. und dann stellt sich heraus, das war gar keine pistole was der andere da in der hand hatte, und der polizist ist der böse.

wiederum aber: hätte der nicht gefuchtelt und geschrieen er würde schiessen, dann hätte auch der polizist vermutlich nicht geschossen.

natürlich ist es entsetzlich, wenn ein mensch stirbt, und natürlich stimmt einiges nicht wenn man auf die idee kommt durch überfälle etc. die kasse zu füllen. und natürlich sollte man da rgendwie was tun, wenn mann den wüsste was. gescheit daherreden ist wohl nicht die lösung.

und ebenso natürlich kann selbstjustiz nicht die lösung sein, andererseits kann ich verstehen dass die angst eines bedrohten schon dazu führen kann dass er dinge tut, die er normalerweise nicht täte.

aber trotzdem kriege ich den gedanken nicht aus dem kopf, irgendwie: wenn ich meinen kopf nicht dorthin lege, wo demnächst ein schmiedehammer herunterkommen kann, dann ist die gefahr eines zermerscherten hauptes viel geringer, als wenn ich das doch tue. irgendwie ist ein amboss kein gutes kopfkissen.

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