Montag, 19. Dezember 2005
hasi, schreib das auf.
mein liebster freund hat schon oft gesagt: hasi, schreib ein buch. andere leut machen weltreisen und weiss der teufel, und bei dir passieren die unglaublichsten geschichten sozusagen im wohnzimmer.

sag ich: die geschichten glaubt doch keiner.

sagt er: hasi, dann brauchst kein schlechtes gewissen haben dass sich wer betroffen fühlt.

so ist das. trotzdem kann ich viel nicht erzählen oder aufschreiben, oder besser: noch nicht öffentlich. wird aber auch noch kommen.

derzeitiger status: es ist mir schlichtweg zu blöd, mir geschichten auszudenken die die anderen glauben können, nur weil sie sich nicht vorstellen können dass andere anders sind als sie selbst. und dan müsste ich mir die geschichten, die ich massgeschneidert erfinde für die verschiedenen charaktere auch noch entsprechend zugeordnet merken. nein danke. das wären fortsetzungsromane ungeahnter ausmaße. ich zieh mich dann lieber mit "aber das ist eine andere geschichte" aus der affäre.

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erkenntnisse des umfelds
frau kelef heisst nicht umsonst so.

eichkätzchen beissen sich an kokosnüssen konzeptionell die zähne aus, mindestens.

mit kokosnüssen kann man eichkätzchen erschlagen.

es gibt leute, die sagen, was sie denken, und meinen es auch so.

wie der schelm ist, so denkt er von den anderen.

man soll nie von sich auf andere schliessen.

wenn man es gleich mit der wahrheit versucht, erspart man sich sehr viel.

es gibt menschen, die kann man einfach nicht erpressen.

manche schüsse gehen nach hinten los.

es sind schon hausherren gestorben.

you should never judge my judgement.

jeder hat andere prioritäten.

und nach der evolution kommt die revolution, und dann kommt die evolution, und dann ... (aber das hatten wir schon bei marx und engels).

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ganz langsam geht es mir wieder ein wenig besser, wird schon, eben, geduld bringt rosen. manche dinge überraschen einfach nicht mehr. das ist das eigentlich entsetzliche für mich: erste reihe fussfrei sitzen und genau wissen, was kommt. entsetzlich nicht die themen, die szenen, die dialoge. entsetzlich vielmehr die berechenbarkeit, vorhersehbarkeit, charakterlosigkeit, das aufgehen in der masse vorgeschriebener denkmechanismen. und dazu die vorgeschriebene menge von feigheit, konfrontationsvermeidung, ausreden, beschönigungen, lügen.

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sehr dankbar, nie so gewesen zu sein, noch nicht einmal gefahr gelaufen so zu werden.

so besehen: es geht mir ganz ausgezeichnet, teilweise, und den rest kriegen wir auch noch. hehehe.

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Donnerstag, 15. Dezember 2005
Der Wunsch, ein Spanier zu sein
Es war das Jahr 1984.

Ich stand wie angewurzelt vor dem TASS-Gebäude am Twerskoj-Boulevard. In den grossen Auslagefenstern leuchtete die offizielle Fotochronik. Auf dem Mittelfoto, auf dem Sobor-Platz des Kreml, streng en face abgebildet, standen dicht aneinander der spanische König Juan Carlos und der Genosse Tschernenko. An der Hand Juan Carlos’ die Königin Sofia; mit dabei an der Seite des Genossen Tschernenko seine Gattin. In ihren Händen hielt sie verkamft ein Täschchen der Sorte Ridikül. Aber weniger das Täschchen, es waren die Gesichter!

Zwei da und zwei daneben.

Ich wurde von einem anthropologischen Entsetzen ergriffen.

Ich war kein Dissident, ich war ein Freidenker im erlaubten Rahmen, aber dieser Kontrast versetzte mir einen Stich in mein Herz. Ich verspürte plötzlich eine fürchterliche Scham, eine Scham dafür, dass unser Land in der Welt und im Weltall von diesen und nicht von denen vertreten wird.

In dieser Sekunde war ich ein antisowjetischer Mensch – aus ästhetischen Überlegungen.

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so, und nicht anders, wollen wir frau godanys überlegungen zu einem anderen thema, nämlich diesem: http://babble.antville.org/stories/1283875, abschliessend beantworten.

aus ästhetischen überlegungen.

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Dienstag, 13. Dezember 2005
"gott ist gerecht"
die narbe klemmt noch immer
dadurch kann der kopf nicht gerade gehalten werden
dadurch werden die entsprechenden nerven von den verbrauchten bandscheiben eingeklemmt
dadurch ist die linke hand immer etwas kälter als die rechte
die finger derselben sind mal mehr, mal weniger gefühllos
der kopf kann nicht gedreht werden
blickwinkel ausserordentlich eingeschränkt
verzerrte optik durch die gleitsichtbrille
alle drei bis vier stunden eine stunde niederlegen müssen, hals strecken
vor manchen speisen immer noch grosser widerwillen
blutbild immer noch nicht in ordnung
arbeitgeber motzig (zitat: andere sind nach drei bis vier wochen wieder wie neu!)
wann ich denn wieder "gedenke, ins büro zu kommen"
da sei so viel arbeit
der vertrag der kollegin sei ja auch nicht verlängert worden (genau an dem tag, an dem ich ins krankhaus ging, mit uncertain outcomes, hat man das beschlossen, per ende november)
und wie belastbar ich denn dann sein werde wisse man ja auch nicht
da müsse man sich was überlegen
konzernziel: immer weniger leute machen für weniger geld mehr arbeit
shareholder values sind wichtig!!!
nachtigall, oh nachtigall, ...

und klar, ich hab mir das alles gewünscht. auf meinem wunschzettel stand das ganz oben für das heurige jahr, in blockbuchstaben und unterstrichen. und der grund dafür war die reine bosheit gegenüber den anderen, die reine bosheit.

und weil wir gerade bei bosheit sind: ich bin nicht boshaft, aber gott ist gerecht. oder das schicksal, das kann jeder halten wie ein dachdecker.

folglich bin ich überzeugt davon, dass das alles weiter gut gehen wird. wenn ich ein katzenmensch bin, und eine katze neun leben hat, dann hab ich in summe noch zwei oder drei übrig, für einen zusammenstoss mit einem autobus z.b. vielleicht oder so.

und folglich werden weiters diejenigen, die sich durch die hier getanen einlassungen vielleicht angesprochen fühlen könnten, irgendwann einmal daran zurückdenken dürfen. die werden nämlich auch älter, sogar wenn sie nur grünzeug fressen, keinen alkohol trinken, nicht rauchen und regelmässig sporteln. das wird dann fein. die glauben nämlich, sie bleiben ewig jung und gesund.

und wenn es dann so weit ist, und das kartenhaus zusammenbricht, und nichts mehr so ist wie es war, und auch nie wieder so sein wird, und sie sich damit auseinandersetzen müssen wie schnell es gehen kann, und wie schnell es vorbei sein kann (ich hab das ja schon vorher mehrfach erlebt, und überlebt, und darüber nachgedacht, da hat man dann schon gewisse übung): da wünsche ich denen doch von ganzem herzen ein paar menschen in ihrer umgebung, die von ihrer art sind. und zwar nicht aus bosheit, sondern weil sie ja im moment auch das richtige tun, und sich richtig verhalten, nicht wahr. verständnisvoll, hilfsbereit, aufbauend, ... und weil das so toll ist, was und wie sie sind, da werden sie doch sicher, wenn es an der zeit ist, genauso behandelt werden wollen. ganz genau so. und das vergönne ich ihnen von ganzem herzen, da bin ich gar nicht neidig.

vielleicht erleb ich es ja noch, und kann dann gar trefflich zitieren, vielleicht sogar ausdrucke dieses eintrages hier verteilen. gerahmt, mit einem netten passepartout auch für auf das krankenhausnachtkastel zum stellen vielleicht.

das hat nix mit bosheit zu tun. wenn man alt genug ist, oder genügend menschen kennt, dann stellt man irgendwann fest dass jedem alles wieder zurückkommt, in irgendeiner form, zu irgendeinem zeitpunkt. und das ist sehr beruhigend, nur eben nicht für alle. für mich schon, im moment, weil so knapp wie heuer war es schon lange nicht mehr.

es kann also nur weiter aufwärts gehen, und das tut es ja auch, langsam, aber wird schon. weiss man ja nie, was wozu gut ist, und wie die dinge irgendwann einmal ausgehen, später.

"gott ist gerecht" hab ich ja schon oft sagen dürfen, sehr sehr oft.

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