Freitag, 19. Dezember 2008
rohr im gebirge
in einer winternacht kann übrigens so ausschauen - und ja, lieber n., man kann kirchen recht gut fotografieren (vorausgesetzt man steht weit genug davon entfernt und entsprechend hoch, hier also aus dem fenster fotografiert:



ist eben alles eine frage der perspektive. es war ein wenig rutschig und ein wenig eisig in der nacht, und ich hatte definitiv nicht zu viel getrunken, denn den kirchbichl bei eis hinunter und den garhoferbichl dann hinauf im suff auf einer eispiste, das schafft eine alte frau nicht, noch nicht einmal eine junge. und im laufe meiner kindheit bin ich beide bichl oft genug hinauf- und hinuntergfallen (die reihenfolge können sie sich aussuchen). meine knie sind immer noch zeugen.

und während alles langsam schlafen geht und die beleuchtung ergo ausgeht, hängen die sparsamen bergbäuerlein für die spätnachhausekommer, damit einmal nix sein kann, einfach den vollmond an den himmel, beim bergadvent, damit der den gästen heimleuchtet und sie sich nicht verlaufen. sehr aufmerksam, meine ich.



@herr schmerles: bichl oder bichel kommt vom wort bühel: hügel oder kleiner berg.


die bermanderln in rohr sind in vollmondnächten übrigens auch zu sehen, man muss nur genau aufpassen, weil die so klein sind dass man leicht übersieht. ich weiss das so genau, weil meine ururgrossmutter die oft gesehen hat, das hat sie meiner oma erzählt, und die hat es mir erzählt. zugegebenermassen hat sie sie am öftesten gesehen wenn sie nach dem auftrieb im klaushäusl, dem kleinen wirtshaus im klausgraben am klausbach, noch ein wenig über die wichtigen dinge geredet hat mit den bauern. und wenn es dann spät geworden ist, und sie ist die paar kilometer nach rohr gegangen, dann hat sie die bermanderln gesehen. die waren ganz klein und wie bergleute haben die ausgeschaut, und laternen haben sie gehabt und sie ganz freundlich gegrüsst. da hat sie sich dann manchmal hingesetzt und den bergmanderln zugeschaut, und ist darüber ein wenig eingenickt, von der anstrengung vom viehauftrieb und dem hinaufgehen auf den unterberg und dem hinuntergehen dann auch. und vom vielen reden über die wichtigen dinge im klaushäusl. es ist ihr aber nie was passiert, die bergmanderln haben immer auf sie aufgepasst.

sie glauben mir nicht? tsss. was glauben sie denn, warum dann der eine weg von rohr in den klausgraben hoch über dem klausbach, der, der zum klaushäusl führt, immer noch bergmanderlweg heisst? na?

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Donnerstag, 18. Dezember 2008
frau hunt und der bergadvent
auf grund ihrer abstammung aus dem hohen norden ist es der hunt ja nie zu kalt, sondern nur zu heiss. entsprechend fallen ihr das ganze jahr unmengen von haaren vom körper, was dazu führte, dass sie fallweise auch "hairiest dog in town" genannt wird. aber das nur am rande.

frau hunt jedenfalls, reisegewohnt, fuhr mit mir mit dem zug bis nach wiener neustadt (wo ein anständiger wiener nicht einmal tot über dem zaun hängen will), und von dort weiter nach gutenstein. natürlich war der zug aus wien schon einmal mit verspätung abgefahren, und entsprechend auch mit verspätung angekommen, die vier minuten reichten uns gerade noch um mit hängender zunge und schlackernden ohren den zug zu erwischen: der zugsführer hatte uns herbeihumpeln gesehen und gnädigerweise gewartet.

während es bis gutenstein und ein stück den rohrer sattel hinauf aper war, lag in rohr - was sonst - schnee. schöner, frischer, weisser, kalter schnee. zwar kamen wir erst im finstern an, aber alles war unübersehbar weiss, schon am sattel oben und dann hinunter ins tal.

begeistert schnofelt frau hunt in die autolüftung und wedelt dezent mit dem halben hinterteil. schnee!!! kalt!!! rohr im gebirge!!! freu und strahl und grins über das ganze hundegesicht.

dank der bemühungen der dorfgemeinde sind in rohr im gebirge übrigens alle weihnachtsmänner standrechtlich erschossen worden, insbesondere die dicken roten, die in wien hier stellenweise zu hauf aus den fenstern und balkonen hängen. rohr ist katholisch, und da kommt das christkind. und überhaupt ist weihnachten ein kirchliches fest, mehr beten und weniger geschenke wäre besser für die moral, hörte ich. kann man nix sagen dagegen. natürlich gibt es aber eine menge beleuchtung, besonders in der nacht, aber kein blinkendes blau-rot-grün und so, sondern ganz normale lichterketten.

der frau hunt ist das aber sowieso egal, sie begrüssst die bernhardiner-dame des hauses bei ankunft nicht, weil die liebe nora schon im heizhaus ihre knochen auf einer doppelten matratze wärmt und wegen so einer stadterten nicht herauskommt (sie wissen ja, die armen bauernhofhunde, die nicht ins haus dürfen mit ihrem dicken fell und den 65 kg lebendgewicht und der störrigkeit eines esels zum quadrat).

am nächsten tag kann frau hunt es aber nicht mehr erwarten, raus in die landschaft und einmal eine runde junger hund gespielt:



nora ist immer noch im heizhaus, sie war nur zum frühstück da, wird berichtet.

nach einem ausgiebigen morgenspaziergang begibt sich frau hunt aufs zimmer, und macht in den durch das fenster fallenden sonnenstrahlen ein kleines nickerchen, aus dem ich sie dann meuchlings wecke, wegen des nachmittagsspazierganges.



da muss dann alles genau kontrolliert werden, denn im winter haben die in rohr die mäuse, diese delikaten kleinen imbisse, unter dem schnee in so höhlen und gängen versteckt, und da sind die schwer zu finden. aber wo der marder derzeit wohnt wurde ganz genau festgestellt. so ein hofhund kann das ja nicht richtig.



nora ist in der zwischenzeit aufgetaucht, und sie und frau hunt markierpinkeln ein wenig um die wette. ein tröpferl hier, ach so, du da, na gut, ich auch, und dort noch, komm einmal, da auch, und hin und her. dabei wollten sie aber nicht fotografiert werden, da sind sie zu damenhaft genant, die beiden. also nehmen sie das bitte zur kenntnis. wenn sie es nicht glauben, können sie die flecken in schnee kontrollieren gehen.

sehr gefreut hat sich frau hunt übrigens über den besuch, mit dem ein richtig bürgerlicher sonntagsnachmittagsspaziergang gemacht werden konnte, so richtig in der sonne und im schnee. da muss sie sofort alles noch einmal kontrollieren und herzeigen, sonst verirren sich die leut noch, sind ohnedies so schwer zusammenzuhalten.



der rest war aus ihrer sicht ausschliesslich aus kulinarischer sicht interessant, den menschen fällt ja dauernd was aus den händen trotz der gegengreifenden daumen, da konte frau hunt dann von einem stand zum anderen probieren und sich tiefschürfenden gedanken über die unterschiede zwischen den auswirkungen der verschiedenen sur- und räucherweisen auf den geschmack von lebensmitteln hingeben.

zurück zu hause sabberte sie dann den köpfchengebenden und sie von oben bis unten beschnuppernden katzen kurz über die gesichter, nahm ein paar maulvoll wasser und beschloss, sie sei so müde dass sie sich umgehend ins bett legen müsse.



ist halt auch nimmer die jüngste.

die anderen geschichten erzähle ich ein anderes mal.

und ja, frau syberia, es gibt noch fotos, aber das ist alles mit arbeit und hinschauen verbunden, und sie wissen ja, in meinem alter ...

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Montag, 15. Dezember 2008
bergadvent in rohr im gebirge
erledigt.

schee woas.

schnee haben wir gehabt, und sonne, und eine unglaubliche menge unglaublich frischer luft.

die hunt verkostete den geräucherten alpenlachs bis der arzt kam, auch das hirschgeselchte hat der alten dame wieder gemundet.

frau kelef kostete eine menge flüssiger dinge, insbesondere - da schon am mittwoch angekommen - am donnerstag. note to myself: ohne übung sollte man nicht mit einer anzahl trinkfester bergbäuerlein im alter zwischen 17 und 71 bis halb zwei in der früh im wirtshaus sitzen. never ever, und schon gar nicht als einzige frau, ausgenommen die alte dame, die unter der bank auf den heizungsrohren schnarchte. diese, die frau hunt, ist in solchen fällen froh, dass sie nix mehr hört.

ein wenig tratsch, ein wenig einkaufen (alles schon vorbestellt, die bäuerliche logistik ist ein wahnsinn, so was von geklappt kenn ich aus wien nicht in dieser perfektion - sämtliche waren wurden auf fast unheimliche weise in den höfischen kühlraum gebracht, rechnung: ah jo, zoist as hoit, du bist unsas eh guat).

frau tante kitsch ist im stolzen besitz eines halben kilogramms extra gepflückten bergkräuter-tees, special edition, von der naglreiterin vulgo frau gruber.

weiters dirigiert sie die garung mehrerer entencarcassen, während in meinem kühlschrank das gänsefett der auslassung harrt.

frau tante kitsch verfügt ausserdem über eine unmenge alpenlachscarcassen und -lebern, wenn wer in der g'schwinden ein besonders gutes rezept hat: don't hesitate to contact her. ich komm dann kosten und kritisieren (das rezept, nicht das ergebnis).

hirschgeselchtes, wildschweinspeck, hirschwurst, alpenlachs geräuchert und als aufstrich, sehr fein heuer ein besonderes schmankerl, das ich vielleicht noch nicht verraten sollte, aus verschiedenen gründen.

rotweinlikör, normales geselchtes, speck, rindsgeselchtes, und noch so ein paar feinheiten.

weihnachtskekse.

putenfleisch und lammfleisch.

hirschfilets.

blutwurst, und ein stückerl rehleberkäs dem frau hunt und ich gerade eben nicht widerstehen konnten, der ist jetzt also aus. nächstes jahr mehr davon.

ganz lieb: renn ich am samstag herum wie ein flederwisch und werfe als ordentlicher mensch geld in die menge, vulgo zahle meine schulden, sitz dann endlich beim wirten, läutet das telephon, ruft m. an und fragt mich wo ich bin. sag ich am bergadvent, will sie wissen wo genau, weil sie und n. stehen vor dem kaffehaus.

sind die beiden extra die fast hundert kilometer gefahren um mich zu besuchen: das nenn ich doch freude bereiten, mir nämlich. haben wir dann entsprechend eine adventmarktrundreise gemacht, noch einmal alles angeschaut und durchgekostet was war das fein. und die beiden haben jetzt auch einen proppenvollen kühlschrank.

am sonntag dann noch vorweg verabredeten besuch von k. mit ehemann h. und freundin mit auch ehemann und dem bravsten, liebsten und freundlichsten baby seit langem. kein weinen und greinen, kein laut des unmutes, und das mit nur ein paar monaten. ebenfalls alles angeschaut, in der sonne spazierengegangen und noch ein wenig geld ausgegeben, das meiste war ja schon bestellt und auf riesenbergen gelagert.

am abend dann von h. und k. nach hause kutschiert worden, und das gepäck noch bis vor die wohnungstür geschleppt. sogar für frau hunt hatten die beiden lieben noch ein extra-autofahrdeckerl mitgebracht, und so durfte die alte dame ausnahmsweise auf dem rücksitz sitzen und mit dem kopf auf meiner tasche das draussengeschehen genau beobachten..

was kenn ich doch für liebe leute, wollte ich hier noch einmal anmerken in aller öffentlichkeit.

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