Sonntag, 7. September 2008
plakat des grauens
aber vielleicht bin ich ja auch nur überempfindlich.

frau kelef geht mit frau hunt eine nächtliche runde, zwecks entleerung der hundeblase. frau hunt hüpft und springt herum, als wäre sie nicht so alt wie sie ist, schnuppert hier, schnuppert dort, und sucht - wie jede nacht - ihren freund (oder ihre freundin). dabei handelt es sich um einen igel, den wir seit zwei oder drei jahren immer wieder treffen - das eingerissene linke ohr lässt keinen zweifel aufkommen. die beiden kennen sich, hunt hüpft freundlich wedelnd auf igel zu, schnuppert rundherum, fordert mit der pfote zum spielen auf. igel ist mehr oder weniger unbeeindruckt, pfaucht aber nicht, rollt sich nicht ein, und die kleine knopfnase wackelt richtung hunt, während die äuglein ffreundlich funkeln. dann drehen die sich ein paar mal im kreis, und dann gehen wir alle drei wieder unserer wege. manchmal hab' ich ja schon das gefühl, das igeltier wartet auf uns. kommt ein fremder hund mit, wird ebendieser aber höchst empört angepfaucht und die stachelkugel lässt nichts gutes erwarten. frau hunt hat ja die adoption der stachelkugel vorgeschlagen, wurde aber abschlägig beschieden.

jedenfalls, als am anderen ende der leine hängendes exemplar der gattung homo sapiens hat man unter diesen umständen genug zeit zum betrachten der umgebung.

heute nacht trafen wir den igel wieder, drei häuser weiter auf dem parkplatz verputzte er gerade irgendwelche essensreste hinter einer plakatwand. der hunt liess er nix (nimmt lieber ein wenig katzetrockenfutter, hab ich immer was in der tasche für sie/ihn), und da steht nun frau kelef vor dem plakat mit heinz christian eh-schon-wissen darauf. und wie ich so schau, erkenn' ich: der mensch ist aber sowas von schlampig rasiert auf dem bild, es ist erschreckend. also nicht jetzt dass ich eine freundin oder fanin oder anhängerin von dem bin, weit gefehlt und au contraire, aber wer gottes barmherzigkeit willen nimmt so ein foto für ein werbeplakat?

und da weiss ich wieder ganz genau, warum gute bilder teuer sein müssen. weil, fotograf/in muss ja auch noch einen kurs im rasieren machen und rasierzeug mitnehmen, für alle fälle.

bei tageslicht jetzt extra noch einmal angeschaut, es ist wirklich, wirklich schlimm. nicht nur, dass einzelne barthaare einfach so herumstehen in der haut, einige länger, einige kürzer, ein paar mit leicht entzündlichen haarwurzeln, nein, ganz insbesondere der linke mundwinkel zeigt die reste eines dreitage-bartes, lieblich verlaufend von geschätzten drei millimetern im äussersten winkel bis zu fast null richtung oberlippenmitte.

wie kann denn das passieren? wenn mir sowas beim frühstückskaffee gegenübersitzt, geht es nochmals ins bad. und wenn das mein fotograf/meine pressesprech/meine pr-agentur verbrechen, dann gehen die in den hof spielen, und zwar durch das offene fenster im fünften stock, in der direttissima. aber vielleicht hat das foto ja jemand mit einem anderen parteibuch gemacht, und es handelt sich schlichtweg um sabotage oder so.

und weiss jemand, was das blaue glasperlenarmband am emporgereckten rechten ärmchen zu bedeuten hat?

... link (10 Kommentare)   ... comment


Donnerstag, 4. September 2008
in der ex-fabrick gewesen
gestern, heute noch einmal eine stippvisite, letzte unterschriften leisten etc.

so sehr ich auch die kollegenschaft mag, also die meisten zumindest, mit allen leuten kann man ja nicht dicke sein, dazu sind die menschein einfach zu verschieden, aber die meisten jedenfalls sind schon schwer in ordnung, da kann man sich nicht beschweren, also wie gesagt, aber trotzdem: was bin ich froh.

just in time ist gar kein ausdruck. die daten banken spinnen - hab ich an sich ja immer schon prophezeit, dass das so kommen wird, aber mir glaubt ja keiner; das grosse headcount-reducing hat im hintergrund begonnen, und lässt gar keine freude aufkommen; ein audit steht ins haus; hard times to come.

die genese vieler zustände ist nur mehr rudimentär oder gar nicht vorhanden (specialists at work, irgendwo im uneinseh- und unkontaktierbaren hintergrund), zentralisierung heisst das neue zauberwort, und keiner weiss wo er in einem jahr sein wird.

weiters sehr überraschend hat sich bewiesen, dass auch sehr guter wille und grosses bemühen einerseits gegen falsches briefing und null erfahrung nicht anstinken können. einzige rettung in solchen situationen wäre ja maul halten, kohle kassieren, die anderen hackeln lassen und sich unauffällig unter dem teppich verstecken, aber das muss man ja auch einmal fertigbringen.

sehr schade, eigentlich, aber mich geht das alles ja nichts mehr an. trotzdem ist es schön, wieder einmal recht gehabt zu haben: nicht aus schadenfreude oder sonstigen hässlichen gründen, sondern einfach deshalb, weil sich wieder einmal bewiesen hat dass sich die entwicklungen immer wieder gleichen, auch wenn jahrzehnte dazwischen liegen, und dass ein wenig weiter denken und miteinbeziehen möglicher konsequenzen nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere ein ganz nützliche sache sind. aber, nun ja, was solls. aber ich habs ja schon immer gesagt.

... link (2 Kommentare)   ... comment


Dienstag, 2. September 2008
leadership behaviour II
die sache mit den selbsternannten damen (die schon deswegen keine sind), die so grossen wert auf benimm und grussformeln und -regeln legen, die habe ich ja schon gefressen. ziemlich ekelerregend, wertlos und anstrengend. und ganz besonders schlimm in höheren oder gar leitenden positionen.

und aus gegebenem anlass fallen mir da gleich wieder ein paar geschichten ein (sonst wär ich ja nicht ich).

da wäre zum beispiel die eine:

"ICH weiss ja, wie man sich benimmt, meine mutter war eine von xyz." und stellte den teller mit dem jourgebäck von links nach rechts zu den gläsern, schnitt das semmerl in der mitte durch, beschmierte es mit butter und biss ab. und nahm dann ohne den rüsselwisch (=serviette) zum einsatz zu bringen einen lippenstift- und fettrandverursachenden schluck aus einem glas.

"ICH muss ja zeigen, dass ich was besseres bin!" und kam des frühen morgens mit einer (noch dazu langen) perlenkette ins büro. zum überfluss auch noch: nicht besonders grosse zuchtperlen.

besonders gerne erinnere ich mich auch daran, wie ebendieses exemplar mit dem ersuchen an mich herantrat, für eine bekannte visitekarten zu entwerfen also ganz abgesehen von je? moi? hau kömm ei denn tau dem? usw., ich meine, meine visitekarten hat ja immer ein grafiker gemacht, aber bitte, soll sein. gibbet es regeln für, nicht wahr. auf meine frage, welche art von visitekarten (privat, damen, familien, geschäfts, ...) denn gewünscht sei, antwortete dieses exemplar mit "ich weiss nicht, was das für eine wichtigmacherei sein soll, es gibt doch nur eine art von visitekarten!". mein "entschuldige, aber ..." ward wieder abgeschmettert mit "ICH weiss das, meine mutter war eine xyz."

hab' dann gekündigt, wegen unerträglichkeit des exemplars.

... link (1 Kommentar)   ... comment