Montag, 20. September 2004
freundliche wiener 1
nach einem tag im büro richtung strassenbahn geschlichen, um mit ebenderselben richtung u-bahn und mit dieser richtung heimat zu fahren.

bei der strassenbahnhaltestelle steht ein mann, wartet sichtlich schon länger. in der ferne sieht man die oberleitung der strassenbahn auftauchen, dann bewegt sie sich längere zeit nicht.

plötzlich kommt ein ziemlich abgerissener junger mann aus richtung der strassenbahn, lange schwarze locken, abgelatschte schuhe, redet ein paar im stau stehende autofahrer durch die fenster an, kommt näher, grüsst uns freundlich, und sagt "'tschuldigen sie, aber warten sie bitte nicht, da vorne war ein unfall mitten auf der kreuzung, die autos sind verkeilt, die strassenbahn kommt sicher länger nicht."

der wartende mann schaut, ich bedanke mich (geh ich halt die kurze strecke zu fuss), der wartende mann dankt erstaunt auch, dann gehen wir zu dritt in richtung u-bahn.

sag ich so beiläufig "na bitte, es gibt ja doch noch freundliche wiener", schaut mich schwarzlöckchen an und sagt "'tshuldigen sie, aber - ich bin gar kein wiener".

als hätt' ich mir das nicht gleich denken können. sehr nett hab ich das gefunden von schwarzlöckchen, der dann noch meinte "ich hab mir gedacht, ich sag das halt den leuten, damit sie vielleicht ausweichen können und nicht unnötig warten."

hat mich sehr gefreut, hat mich das. gibt halt immer wieder lichtblicke.

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is mir auch recht
nachdem mein körperliches wohlbefinden durch die versuchte nächtliche abfackelung der wohnung der hausbsitzerstochter schon leicht beeinträchtigt war - bin ja auch nimmer die jüngste - heute einen angenehmen nachmittag mit hund auf dem wienerberg verbracht. tante kitsch zum essen eingeladen, der gustav kam mit und war der artigste und charmanteste katz aller zeiten - bilder bei der tante.

kommen der hund und ich nach hause, hängt am schwarzen brett dieser zettel:

meinetwegen, das nächste mal ruf ich eben gleich die psychiatrie an.

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Sonntag, 19. September 2004
guter hund
"vom wind verweht" ist einer jener filme, die ich noch nie vollständig gesehen habe. immer, aber auch wirklich immer war irgendetwas los das dazu führte, dass ich entweder den anfang, oder das ende, oder den mittelteil nicht oder nur teilweise sehen konnte.

da dieser mein rechter ellenbogen

auch nach der dritten punktierung immer noch (oder schon wieder) mit einem netten verband dekoriert ist und ich den strengen auftrag habe ihn zu schonen, dachte ich heute nach einem sehr angenehmen tag mit meiner ex-schwiegermutter eigentlich, dass es mir heute gelingen müsste dieses hervorragende und gar nicht kitschige meisterwerk der filmkunst einmal in einem stück zu sehen.

also: die tiere sind gefüttert, die blumen gegossen, ich packe meinen kadaver ins bett, versammle das haarige gesindel um mich und bilde mich. der katz wärmt meine schmerzende rechte schulter, die hund liegt auf meinen füssen damit ich nicht aufstehe, das telefon ist in reichweite - und läutet prompt nach dem ersten drittel des films, aber in einer werbepause, immerhin. ein mehr oder weniger wichtiges gespräch wird geführt, kurz in den pc gekuckt, auftragsgemäss, gespräch auf sonntag verschoben - ich will den film sehen, einmal, bitte, vollständig, und besonders die noch NIE gesehene schluss-szene, bitte.

es wird immer ergreifender und dramatischer, das ende naht, es ist spät - der hund springt aus dem bett und jault aufgeregt zum küchenfenster hinaus. es riecht nach verbranntem. ich quäle meinen kadaver aus dem bett und in die küche, qualm schlägt mir entgegen, es stinkt nach noch mehr verbranntem, der hund ist aufgeregt, der katz hustet, die vögel piepen aufgeregt.

ein blick aus dem fenster: in der gegenüberliegenden wohnung brennt in der küche das licht, im fenster hängt wäsche zum trocknen, den raum dahinter sieht man nicht, weil dichter qualm aus dem fenster dringt und sich in schwaden über den hof legt. die musik im hintergrund wird immer dramatischer: das ende des films scheint zu nahen. der qualm wird beissender, die wäsche kann man fast nicht mehr erkennen, die viecher randalieren. rin in die klamotten, raus aus der tür, halbstock hinauf, klopfen, rufen, poltern - nix. da die bewohnerin der betreffenden wohnung nicht alle tassen im schrank hat und fallweise mit der gaspistole im stiegenhaus auf ihre mutter schiesst, der das haus gehört, fallweise auch sehr viel zu viel trinkt und sehr schlecht auf ihre antidepressiva reagiert, sowie auch einen eher interessanten umgang pflegt, kriege ich eine ganz zarte panikattacke. der qualm zieht sich durch das stiegenhaus, mein asthma bereitet mir leichte erstickungsanfälle. runter den halbstock, cortisonspray inhalieren, polizei anrufen, telephonistin dort aufwecken, erklären, zurück zum fernseher - und gerade noch eine halbe sekunde des abspanns gesehen.

vielleicht erzählt mir ja einmal jemand, wie der film ausgegangen ist.

und ich gehe mir wenigstens das hauskino anschauen: die polizie kommt nach 8 minuten, nach weiteren 2 die feuerwehr, alle mit blaulicht, in der betroffenen wohnung hat in der zwischenzeit jemand das licht abgedreht. die polizei klopft, ruft, keiner macht auf. sie probieren an der klinke - die tür ist offen. sie rufen hinein - keine antwort. sie ziehen die pistolen, die taschenlampen, die feuerwehr kommt schon mit den feuerlöschern: da erscheint die dummkuh von hausbesitzerstochter und plärrt, was das soll, ihr sei doch nur ein wenig fett in der pfanne zu heiss geworden. sie hätte während des kochens eben ein nickerchen benötigt.

die polizei war dann sehr nett, meinte, die hätte nicht alle tassen im schrank (na, das weiss ich schon länger), und die ganze wohnung wäre so verraucht, dass man gar nichts drinnen gesehen hätte. mein klopfen dürfte den trampel aufgeweckt haben, und dann hat sie die pfanne vom gas(!!!)herd genommen und das licht abgedreht, damit keiner merkt, wo der gestank herkommt. die am fenster neben dem herd zum trocknen hängende wäsche war gott sei dank aus baumwolle, und noch ziemlich nass, aber trotzdem schon angesengt. und die küche hat eine holzdecke ...

ilvie kriegt morgen eine portion lungenbraten zum abendessen. hat sie sich verdient.

und ich krieg jetzt ein paar baldriantropferln, sonst lauf ich amok.

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Mittwoch, 15. September 2004
ist die dosine aus dem haus
laden sich die jungs von frau tante kitsch schon auch einmal besuch ein, in diesem fall: ilvie und dymka. letzterer diesmal schon ganz selbstsicher, erstere ist sowieso chefin. dymka saust also - kaum abgeleint - wie ein irrer durch die wohnung, fühlt sich ganz zu hause, oben drüber, unten drunter, die grossen onkels kommen mit dem schauen nicht nach und werden ganz schwindelig.

ilvie kennt das schon und begibt sich erst einmal für eine weile in den sicheren schutz eines sessels, damit ihr wenigstens keiner auf den kopf springt.


in der jeweils passenden gruppierung werden dann aber auch entsprechende unterhaltungen geführt.

die blonde allianz spricht auf dem balkon über das wetter


dann unterhalten sich die beiden jüngsten



felix in seiner verzweiflung sieht sich selber schon doppelt und äugt nach dem lasso, um den kleinen wirbelwind endlich einfangen zu können. oder will er sich aufhängen?


auch gefuttert wird - war ja eine abendeinladung. die jungs sind so mäkelig wie immer, dem dymka ist das egal - is futter, wird gefuttert.


felix sieht das anders, und eine gesunde ohrfeige hat noch keinem kind geschadet, meint er:


dymka rennt rundherum, und beschwert sich prompt: du, wauwau, der grosse da hat mich gehaut, und der hat eine pfote die ist so gross wie mein kopf, und ich hab so kleine pfoten, schau!!!


felix hat damit nichts zu tun, natürlich.


und der hund weiss auch nicht genau, was da zu machen ist.


aber wenn ihr der radau zu gross wird, oder ihr babykatz quiekt, geht sie sofort nachschauen und grummelt die drei an, bis sie sich wieder benehmen. und dann ist der kleine auf einmal weg.


hat ihn aber schnell wieder gefunden, und lässt die katzingers noch eine runde tunnel spielen. dabei ist dymka jetzt aber nicht nur in bezug auf schnelligkeit im vorteil, sondern auch in bezug auf seine kleinheit und wendigkeit.
da sind die haarigen riesenonkels schon ein wenig gefordert, aber erwischen tun sie ihn nicht. und er schaut immer wieder aus einem tunneleingang und ziept einen grossen an den locken.






ilvie kann sich das leider nur aus der entfernung anschauen, sie ist ja schon eine ältere dame, und das junge gesindel nervt.


irgendwann waren die gastgeber ob des ungewohnten treibens dann müde, und begaben sich auf den katzenbaum am balkon.
ilvie wurde angehängt, der katz ebenfalls (und noch in die tasche gepackt), dann machten wir noch einen spaziergang (dymka liebt das, fällt vor glück immer fast aus der tasche), und dann fuhren wir mit dem autobus nach hause. das gefällt dem babykatz auch, das autobusfahren, besonders in der nacht wenn er aus dem fenster schauen kann.

und dann waren auch diese beiden rechtschaffen müde und schliefen den schlaf der gerechten.


:

ja, so war das mit der einladung bei den katzingers.

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